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Forum Kritische Psychologie 53
Praxisforschungs-Kontroverse
"Intensivtäter" - eine empirische Studie
Theorie: Lernen, Emanzipation, Subjektivierung der Arbeit
Analysen und Stellungnahmen: Studierfähigkeit, Gesundheitspolitik, Eigenverantwortung, Reparaturarbeiten
Editorial
Zum zweiten Mal hintereinander muss ein Heft mit einem Nachruf beginnen - diesmal auf Detlev Klingenberg: Einerseits in der DDR Repressionen ausgesetzt, andererseits aber die Errungenschaften der DDR gegen konservative Kritik verteidigend, saß er sozusagen zwischen den Stühlen. Detlev Klingenberg gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Gesellschaft für subjektwissenschaftliche Forschung und Praxis (GSFP) und war der Kritischen Psychologie über lange Jahre verbunden.
Im letzten Heft (52) hat Ute Osterkamp das von Morus Markard koordinierte "Ausbildungsprojekt subjektwissenschaftliche Berufspraxis" an der FU Berlin theoretisch und methodologisch grundsätzlich kritisiert. Morus Markard antwortet auf diese Kritik und stellt die Kontroverse in den Zusammenhang von Konzeption, Geschichte und Methodik kritisch-psychologischer Praxisforschung und des Bemühens um Praxisrelevanz im Psychologiestudium.
Der damit in Zusammenhang stehenden Frage, welche Veränderungen die Abschaffung des Diploms und dessen Ersetzung durch Bachelor / Master für das Psychologiestudium bedeuten, geht Vanessa Lux nach. Außerdem kritisiert sie methodisch und gesellschaftstheoretisch das Konstrukt der "Studierfähigkeit", mit dem das Recht auf Bildung ausgehöhlt wird.
Eine weitere FKP-Diskussion, die um die Probleme der Ökonomisierung des Gesundheitswesens, setzt Joseph Kuhn mit einem Kommentar zur Erichs Wulffs Aufsatz aus Heft 51 fort: er fordert, gegen Marktradikalismus die Diskussion ökonomischer Kalküle zu institutionalisieren.
Eine empirische Arbeit stellt Lorenz Huck vor: Er befasste sich mit Problemen, die sog. (jugendliche) "IntensivtäterInnen" machen und haben. Seine Auswertung von Interviews mit Inhaftierten lässt deren kriminelle Handlungen als Versuch deutlich werden, sich aus einer Position gesellschaftlicher Marginalisierung zu befreien.
Die theoretische Bedeutung dessen, wie Subjekt / Individuum gefasst werden, steht in Zentrum von drei Aufsätzen:
Manolis Dafermos und Athanasios Marvakis befassen sich mit den Vorstellungen S.L. Rubinsteins zu "Lernen" und zeigen auf, dass dieser Lernen als subjektiv begründete Tätigkeit fasste, die notwendigerweise durch die Teilnahme an sozialen Praxen realisiert werde und eine entsprechende institutionelle Organisation des Lernens erfordere. Dafermos' und Marvakis' Aufsatz leistet damit einen Beitrag zur historischen Fundierung subjektwissenschaftlicher Lernkonzeption (vgl. dazu auch die Debatte in FKP 48).
Die Auseinandersetzung mit der Kritischen Theorie (Adornos) ist bislang in der Kritischen Psychologie zu kurz gekommen: Relevante strittige Fragen sind dabei: das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft zur Erichs Wulffs Aufsatz aus Heft bzw. Natur und Gesellschaft und die Bedeutung / Reichweite der Psychoanalyse. In seinem Werkstattpapier diskutiert Christian Küpper (auf der Basis seiner Semesterarbeit), inwieweit mit Adorno gesellschaftliche und individuelle Befreiung gedacht werden kann.
Das Thema "Subjektivierung der Arbeit" greift Jost Vogelsang auf; er setzt sich dabei - auch unter Bezug auf das Projekt Automation und Qualifikation - unter anderem mit der Konzeption Moldaschls und dessen Kritik an der Kritischen Psychologie auseinander.
Zwei "Einwürfe" zu den Umbrüchen im neoliberalen Kapitalismus beschließen das Heft: bei Frigga Haug geht es um die Bedeutung ihrer Utopie einer neuen Arbeitsteilung ("Vier-in-einem-Perspektive") für die Sozialarbeit, Morus Markard setzt sich ideologiekritisch mit dem Thema "Eigenverantwortung" auseinander.
Anlässlich des 60. Geburtstages von Morus Markard haben KollegInnen und SchülerInnnen ihm eine Festschrift gewidmet: "Abstrakt negiert ist halb kapiert". Die darin enthaltenen 23 "Beiträge zur marxistischen Subjektwissenschaft" zeugen von der Themenvielfalt, den Problemen, vor allem aber von der Lebendigkeit der Kritischen Psychologie.
Red.
Zu den Downloads:
Editorial im pdf-Format
Inhaltsverzeichnis im pdf-Format
Abstracts im pdf-Format
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