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Kritische Psychologie |
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Forum Kritische Psychologie 49Geschlechterverhältnisse. Sprache und Rhetorik. Solidarität / Rassismus. Schule im Neoliberalismus.
Abstracts im
AbstractsCatharina Schmalstieg: "Der Große Graben" - Ideologietheorie, Geschlechterverhältnisse und Psychologie / Ideology, Gender Relations and Psychologys
Der Beitrag diskutiert die Bedeutung einer Theorie des Ideologischen und die Relevanz einer Theorie der Geschlechterverhältnisse für psychologische Fragestellungen.
The article reflects on how psychology needs to relate to a theory of the ideological and discusses the relevance of a theory of gender relations for a psychological perspective. Isolde Albrecht: Das versteckte Geschlecht. Zur geschlechtskonturierenden Wirkung gebräuchlicher Arbeitsbegriffe / Hidden Gender. How Commonly Used Occupational Terms Form Gender Concepts Am Beispiel der nachhaltig reproduzierten Affinität von Gender und funktionsteiligen Arbeitsinhalten wird erörtert, welche Rolle die Sprache bei der Verstetigung bzw. Überwindung traditioneller sozialer Identitätszuschreibung spielt. Methodische Grundlage ist die (v.a. durch Wygotski bekannte) psycholinguistische Theorie der Kulturhistorischen Schule, die Sprache als historisch entstandenes Mittel des Kommunizierens und Denkens mit tiefgehender kognitiver und emotiv-motivationaler Wirkung begreift. Nach einem Aufriss sozialgeschichtlicher Entwicklungslinien werden semantische und logische Strukturen geschlechtlich konnotierter Berufskategorien erörtert und deren psychologische Wirkung beleuchtet. Die Analyse zweier aktueller Berufsbilder (SozialarbeiterIn und MaschinenbauingenieurIn) weist schließlich auf, wie durch unreflektierten Gebrauch gängiger technischer und sozialer Tätigkeitsbegriffe tradierte geschlechtliche Persönlichkeitsstereotype reproduziert werden, was alleine über die konventionelle Anwendung von Semantik und Syntax funktioniert, unabhängig vom grammatikalischen Geschlecht der Berufsbezeichnungen. Taking the division of labour with its lasting affinity between gender and certain professions as an example, the role of language in perpetuating or overcoming traditional social identity formation is discussed. Methodologically the study is based on the psycholinguistic theory of the Cultural-historical School (associated primarily with Vygotski) which interprets language as a historically developed means of communication and thinking with far-reaching cognitive and emotional-motivational effects. Following a brief outline of the socio-historical developments, the semantic and logical structures of gendered professional categories and their psychological effects are scrutinized. The analysis of the current perception of two professions - social worker and mechanical engineer - demonstrates how unreflected use of common terms for technical and social occupations helps to reproduce traditional gender stereotypes. This is accomplished simply by the conventional semantic and syntactical usage of the professional denotations independent of their grammatical gender. Ekkehard Jürgens: Symbolursprung. Neues vom Anfang der Bilder / On the Origin of Symbolizing. News from the Emergence of Pictures Im letzten Jahrzehnt wurden tradierte Stammbaum-Muster der menschlichen Evolution durch eine Vielzahl archäologischer Überraschungen in Frage gestellt. In einer kurzen Bestandsaufnahme referiert der Autor zunächst den allgemeinen Erkenntnisstand der Paläontologie bis zu den 1990er Jahre. Vor diesem Hintergrundschema heben sich die Besonderheiten der neuen Befunde um so deutlicher ab. Demnach sind kulturelle Äußerungen nicht erst dem Homo sapiens, sondern weit früher schon dem Homo erectus zuzuschreiben. Während sich dieses frühmenschliche Symbolschaffen auf Werkzeuggestaltung und Knochengravur beschränkt, hat Homo sapiens in Europa von Anfang an Kunstwerke aller Art (Malerei, Skulptur, Musik) und von höchster Perfektion ("Meisterwerke") hinterlassen. Die neuen Fakten und Daten werfen neue Fragen auf, v.a. zum Verhältnis von Umweltänderung und kulturellem Response. Als Kommunikations- und Kulturwissenschaftler skizziert der Autor schließlich ein eigenes Erklärungsmodell zur Entstehung der Kunst. In the last decade a number of surprising archeological discoveries have been made that cast doubt on the received view on human phylogenesis. The author starts with a brief summary of the state of the art in paleoontology up to the 1990s which is then contrasted with the latest findings. Expressions of culture are now no longer regarded as unique attributes of Homo sapiens but already ascribed to Homo erectus. While this symbolic production of early humans is limited to tool design and bone engravings, Homo sapiens in Europe has left behind works of art of all kinds (painting, sculpture, music) and of perfect beauty ("masterpieces"). The recent facts and data raise new questions, especially concerning the relationship between environmental changes and cultural response. Coming from the communication and cultural sciences, the author concludes with an outline of his own explanatory approach to the origin of art. Christina Kaindl: Lernverhältnisse im Neoliberalismus. Teil II: Überlegungen zu einer Kritischen Psychologie des Lernens / Learning Relations in Neo-liberalism. Part II: Reflections on a Critical Psychology of Learning Der Beitrag analysiert die veränderten gesellschaftlichen und institutionellen Denk- und Praxisformen in Bezug auf Bildung und Lernen und fragt nach den darin funktionalen Lernbegründungen. Die hochtechnologische Produktions- und Lebensweise arrangiert auch die Lernverhältnisse um das neoliberale Paradigma von Selbstverantwortung und Aktivierung und legt den Subjekten neue Formen defensiver Lernbegründungen nahe: Anders als im Fordismus geht es nicht so sehr um die Übernahme fremd gesetzter (Lern)Ziele, als um ihre - selbstständige - Gerierung entsprechend gesellschaftlicher, v.a. wirtschaftlicher Verwertungsmöglichkeiten und -notwendigkeiten. Im Beitrag wird auch diskutiert, inwiefern diese Entwicklungen Holzkamps Arbeiten zu Lernen als veraltet erscheinen lassen und wie deren Geltungsbereich bestimmt werden kann. The author analyses the changed societal and institutional forms of thinking and practice relating to education and learning and tries to reveal the inherent subjective grounds for learning. With the high-technological mode of production and living, learning relations, too, are centred around the neo-liberal paradigm of self-responsibility and activation, suggesting new forms of defensive grounds for learning to the individuals. While Fordism stressed the plain adoption of externally defined goals (of learning), the focus in neo-liberalism is on their intrinsic - "autonomous" - generation according to societal, i.e. economic, possibilities and necessities of exploitation. The author discusses whether these developments make Holzkamp's works on learning appear out-dated and how their validity is to be (re-) defined. Morus Markard: "Wenn jede(r) an sich denkt, ist an alle gedacht." Zum Problem der Verallgemeinerbarkeit von individuellen Interessen / Handlungen zwischen kollektiver Identität und Universalismus / "If everyone takes care of themselves, we are all taken care of." On the problem of how to generalise individual interests and actions between collective identity and universalism Ist die (kritisch-psychologische) Rede von verallgemeinerter Handlungsfähigkeit, von emanzipatorischem Allgemeininteresse heute eine bloße Phrase? Ausgehend von den kategorischen Imperativen von Kant, Marx und Adorno werden Probleme von Identitätspolitiken, von (kollektiver) Identität und kollektivem Subjekt und des Verhältnisses von Egoismus und Altruismus diskutiert. Wenn Interesse als der funktionale oder Inhaltsbezug von individuellen Handlungsbegründungen begriffen wird, geht es darum, diese auf partikularistische bzw. universalistische Momente zu analysieren. Diese vom Begriffspaar restriktive - verallgemeinerte Handlungsfähigkeit im je eigenen Interesse kategorial veranlasste Fragestellung setzt gesellschaftspolitische Informiertheit voraus und ist im Ergebnis jeweils offen. Has the (critical-psychological) talk of generalised potence to act, of emancipatory general interest turned into a mere phrase today? Proceeding from the categorical imperatives of Kant, Marx, and Adorno, the author discusses problems of identity politics, of (collective) identity and the collective subject, and of the relation between egoism and altruism. If individual grounds for actions, understood in terms of their functionality and contents, refer to interests, it is a question of analysing them as to their particularistic vs. universalistic aspects. This analysis, which is conceptually informed by the dialectically conceived bipolar category of restrictive vs. generalised action potence and pursued in each case for one's own sake, requires good knowledge of societal and political matters and is open with regard to its outcome. Birgit Carstensen, Karen Haubenreisser, Frigga Haug: Willkommen in der Freizeit - Ausgrenzung in der Arbeit. Werkstattbericht über Konstruktionen von Fremdheit und Integration / Welcome at leisure-time - excluded at work. Constructions of strangeness and integration In einer Tagesveranstaltung mit Werkstattcharakter wählt die Gruppe eine der mitgebrachten Erinnerungsszenen aus und bearbeitet sie exemplarisch. Geschrieben zum Thema "Als ich einmal eineN FremdeN nicht mochte", dient die Szene der Untersuchung der Konstruktion von Fremdheit. Durch die Analyse der Szene mit Hilfe von Erinnerungsarbeit wird eine Konstruktion zweier Sphären sichtbar: In der Sphäre der Kultur (Kleidung, Freizeit) herrscht wohlmeindende Neugier auf "die Fremde", dieser im Kontrast gegenüber steht die Sphäre der produktiven Arbeit. Hier wird die Fremde als unverbesserliche und unzugängliche, unfähige Person konstruiert, die dadurch zur Gefahr für den Erfolg der Arbeit wird. Der Werkstattbericht mündet in die Aufforderung, der Funktionalität und Verbreitung dieser Konstruktion weiter auf die Spur zu kommen. In a day workshop the group members first choose one from the various recollection scenes each of them have contributed and then treat this sample in detail. Dealing with "As I once disliked a stranger", the scene serves to analyse the construction of strangeness. Through the method of "memory work", a construction of two spheres is revealed: In the sphere of culture (clothing, leisure time) a well-meaning curiosity about "the stranger" is prevailing - in sharp contrast with the sphere of productive labour where the strange individual is construed as an incorrigible, inaccessible, and incompetent person, who puts the work efficiency at risk. The workshop report leads to the request to track down further the functionality and dissemination of this construct.
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