Der diskrete Charme der Autorität? Elemente pädagogischer Autorität und Autorisierungen aus erziehungswissenschaftlicher Perspektive

Jan Niggemann

»Die« (pädagogische) Autorität, die sich als das Allgemeine setzt, hat ein Geschlecht, eine soziale Position und sie ist weiß, europäisch und christlich, wahlweise säkular. Sie ist räumlich und zeitlich situiert, ist gleichzeitig und ungleichzeig zugleich sowie global und lokal artikuliert. Pädagogische Autorität verbindet diskursive Anrufungen mit psychischen Verarbeitungen. Hegemonial sind alltägliche Gewohnheiten und Routinen, in denen gesellschaftliche Strukturen wirken, je mehr sie zur selbstverständlichen »zweiten Natur« geworden sind. Eine hegemonietheoretische Konzeption pädagogischer Autorität untersucht ihren diskreten Charme: ihre Vergänglichkeit.

Inhaltsverzeichnis und Leseprobe

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„Geld lässt ruhiger schlafen, das hab‘ ich erlebt“ – Vereinbarkeit zwischen Mutterschaft und Beruf aus klassensensibler Perspektive

Fiona Kalkstein

Mit einem Vorwort von Morus Markard

Wie wirkt sich die Klassenzugehörigkeit von Frauen auf ihr Leben als Mütter aus? Welche Auswirkungen hat es, dass Familienpolitik häufig genau jene Familien(modelle) fördert, die sie hervorbringen will? Gilt für alle Frauen heute, dass Berufstätigkeit kein Problem ist?

Fiona Kalkstein zeigt in ihrer Untersuchung, wie die Klassenzugehörigkeit der Frauen sich immer wieder als materielle Grenze manifestiert, die es ihnen nahezu unmöglich macht, als Mütter dauerhaft finanzielle Unabhängigkeit zu erlangen. Parallel dazu werden die Strategien einiger Frauen herausgestellt, sich bewusst von gesellschaftlichen Normen abzuwenden, um ihnen eigene Praxen der (Un-)Vereinbarkeit entgegen-zusetzen, die näher an der eigenen Lebensrealität sind. Diese Studie ist ein wichtiger Beitrag in der Debatte um Vereinbarkeit von Familie und Beruf in puncto Klasse. Sie ist unverzichtbar für alle (psycho-)sozialen Praktiker_innen, die eine Sensibilität für Klassenunterschiede entwickeln möchten. Nicht zuletzt bietet sie eine Anleitung für die geschlechtersensible Forschungspraxis mit der Kritischen Psychologie.

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Menschenbild

Josef Held & Klaus Weber (Hg.)

(Wie) können die Einzelnen die »Gesellschaft« verändern? Ein Orientierungsrahmen ist das vorausgesetzte Menschenbild, das den Zusammenhang von Subjekt und Gesellschaft jeweils unterschiedlich deutet. Welche Fesseln werden spürbar, wenn wir verändernd handeln wollen? In welchem Verhältnis stehen Selbst- und Weltveränderung, subjektive Handlungs(ohn) macht und rasante Veränderung der Produktions- und Lebensweisen? Welche wissenschaftlichen Standpunkte inner- und außerhalb der Psychologie hindern uns daran, »Menschen« zu werden, wenn sie von der Unveränderbarkeit der Subjekte wie der Gesellschaft ausgehen?

Der Band Menschenbild sammelt Kritisch-psychologische Beiträge, die sich mit den verschiedenen Facetten des Blicks auf »den Menschen« befassen: Evolutionspsychologie, Genetik, feministische Theorie, Gesellschaft und Subjektivität.

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Psychotherapie, Depression und Emanzipation: Eine subjektwissenschaftliche Studie zur verhaltenstherapeutischen Praxis

Autorin: Leonie Knebel

Mit einem Vorwort von Morus Markard

Viele Psychotherapeut*innen schreiben ihrer Praxis eine Förderung von Selbstreflexion und selbstbestimmter Lebensführung zu, wohingegen Kritiker*innen eine Individualisierung und Verinnerlichung gesellschaftlicher Zwänge konstatieren. Ebenso umstritten ist, ob die Präsenz von Depressionen Folge einer pervertierten Emanzipation oder von selbstwertschädlichen Abhängigkeiten und Einschränkungen ist. Können und sollen Psychotherapien bei Depression Emanzipation fördern? Und wie lässt sich ein kritischer Anspruch in der Praxis der Verhaltenstherapie umsetzen, die traditionell als Anpassungsinstrument für fremdgesetzte Ziele angesehen wird? Dieses Buch versammelt eine Auswertung der interdisziplinären Literatur zu diesen Fragen und die Ergebnisse einer Interviewstudie mit Psychotherapeut*innen und Betroffenen, die von ihren Begegnungen, ihrer Arbeit sowie Klärungs- und Sorgeprozessen im Spannungsverhältnis von Selbstbestimmung, Einsamkeit, Solidarität und Abhängigkeit berichten. Daraus ergeben sich Anregungen für eine handlungstheoretische Weiterentwicklung der Verhaltenstherapie bei Depression und Anforderungen für eine emanzipatorisch intendierte Psychotherapie.

Vorwort_Zusammenfassung_Inhalt

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Ferienuniversität Kritische Psychologie 2021

Die diesjährige Ferienuni Kritische Psychologie findet nur in sehr begrenztem Maß in Präsenz statt. Allerdings gibt es noch die Möglichkeit, sich kurzfristig zu den online stattfindenden Veranstaltungen anzumelden. Unter dem folgenden Link findet sich das Gesamtprogramm und am Ende eine aktualisierte Liste mit den Online-Einzelveranstaltungen und Anmeldungslinks:

https://2021.ferienuni.de/programm/

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Erster kritisch-psychologischer Landsalon 2021

Datum: Samstag, 18.09.2021, ab 17:30 Uhr 

Ort: Nordwestuckermark in Fürstenwerder, Scheune Ernst-Thälmann-Str. 12

Voranmeldung unter: landsalon@posteo.de

Individuell angemessene Spenden vor Ort sind sehr willkommen.

In der ersten Ausgabe des Landsalons geht es um die „Generationengespräche Ost“. Die Lesung aus dem gleichnamigen Buch der beiden Autorinnen Sabine Michel und Dörte Grimm bietet einen Ausgangspunkt. Die darin geführten Interviews über Erfahrungen in insgesamt 3 politischen Systemen ermutigen miteinander und über Generationen hinweg ins Gespräch zu kommen. Aufkommende Fragen und Denkanstöße diskutiert die Initiative Landsalon mit der/dem Moderator/in Leonie Knebel /Michael Zander.

Organisiert von der Initiative Landsalon in Kooperation mit dem Buchladen Fürstenwerder und der Gesellschaft für subjektwissenschaftliche Forschung und Praxis, mit Unterstützung der Rosa-Luxemburg-Stiftung

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Vierter kritisch-psychologischer Salon 2021

Sexualisierte Gewalt an Männern* aus Betroffenensicht.
Was haben biografische Erzählungen mit der Wiedergewinnung eigener Deutungsmacht zu tun?

Datum: Freitag, 11. Juni 2021, 19.00 bis 20.30 Uhr

Ort: Online via Zoom

Zugangsdaten per E-Mail an anmeldung@kritische-psychologie.de, Betreff: Salon

In diesem Salon geht es um die Frage, wie die Subjektstandpunkte von Betroffenen in der Wissenschaft und darüber hinaus sichtbar gemacht werden können. Aus seiner Berufspraxis als ehemaliger Berater in der betroffenenkontrollierten Anlaufstelle Tauwetter e. V. und durch Ergebnisse aus der Forschung gegen sexualisierte Gewalt hat der Referent der Eindruck gewonnen, dass Standpunkte von Betroffenen von der Deutungsmacht der Wissenschaftler*innen abhängig sind: Ermöglicht die en vogue gewordene partizipative Forschung, die Deutungsmacht hin zu den Betroffenen zu verschieben? Oder ist die Beteiligung von Betroffenen an Forschungsprozessen möglicherweise nur ein Scheinerfolg, der eher einem Fehlschlag gleichkommt? Detlef Maag nimmt an, dass es für das Anliegen, Betroffenenstandpunkte von Fremdzuschreibungen und Außenstandpunkten Nichtbetroffener zu befreien, nur teilweise hilfreich ist. Anhand von Ergebnissen aus seiner Masterarbeit und seiner laufenden Promotion wird er hierzu Thesen vortragen und zur Diskussion stellen.

Detlef Maag ist Gestalttherapeut und Sozialarbeiter (M.A. Praxisforschung in Sozialer Arbeit und Pädagogik) und promoviert am Promotionszentrum für Soziale Arbeit der HAW Hessen. Sein Forschungsthema ist: Lebensgeschichtliche Erfahrung sexualisierter Gewalt von Männern* und die Bedeutung gegenhegemonialer und betroffenenkontrollierter Ansätze.

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Notiz zu Geschichte und Gegenwart qualitativer Sozialforschung: Günter Mey zum 60. Geburtstag

Verfügbar über: Michael Zander auf begegnen und bewegen 2021

Möglicherweise wird man eines Tages auf die Psychologie und die Sozialwissenschaften unserer Zeit zurückblicken und Mühe haben, nachzuvollziehen, warum in den diversen Fächern die qualitative Sozialforschung einen so schweren Stand hatte. Besonders befremdlich wird man dies vielleicht insbesondere im Falle Deutschlands und Österreichs finden, von wo aus einst die Naziherrschaft und der Zweite Weltkrieg ihren Ausgang nahmen. Forscherinnen und Forscher wurden ermordet, z.B. Käthe Leichter und Georges Politzer, in den Selbstmord getrieben – wie Martha Muchow nach der Entlassung William Sterns und nach ihrer eigenen Suspendierung (Mey & Wallbrecht, 2016) –, oder sie sahen sich zur Flucht gezwungen, unter ihnen Theodor W. Adorno, Marie Jahoda und Kurt Lewin. Mehrheitlich bezogen sich die Genannten in ihren Werken auf die Schriften von Karl Marx und Sigmund Freud. Lesen extern fortsetzen →

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