Artikel von Wolfgang Maiers in Forum Kritische Psychologie Neue Folge 6 (2025).
Verfügbar über: https://doi.org/10.58123/aliceopen-825-7
Zusammenfassung
Grundlegend für die subjektwissenschaftliche Perspektive der Kritischen Psychologie sind zum einen historisch-empirisch gewonnene Gegenstandsbestimmungen: ihre Rekonstruktion der Psychophylogenese, der Begriff menschlicher Natur als gesellschaftlicher Natur, ihr materialistisches Verständnis menschlicher Subjekte als sozial situierter leiblicher Akteure und der Intentionalität menschlichen Handelns; zum anderen ihre von einem verallgemeinerten Subjektstandpunkt als Erkenntnisstandpunkt ausgehende aktual-empirische Forschungsmethodologie. Diese kategorial methodologischen Prinzipien erweisen sich für kulturpsychologische Programme, die individuelles Handeln und psychische Phänomene in ihrem Konstitutionsverhältnis zu sozial-kulturell tradierten Artefakten, Diskursen und Lebensformen analysieren und Menschen als begründet handelnde Subjekte in die Forschung gleichberechtigt einbeziehen, als grundsätzlich anschlussfähig. Der Ertrag einer marxistisch fundierten subjektwissenschaftlichen Perspektive für die Kulturpsychologie liegt in ihrer Fokussierung auf die Determiniertheit der kulturellen Prozesse und Formen durch die Produktionsweise einer gesellschaftlichen Formation und in den damit einhergehenden differenzierten klassentheoretischen Erklärungen für die strukturellen intersektionalen Ungleichheits-, Unterdrückungs- und Diskriminierungsverhältnisse in der Vielfalt sozial-kultureller Konstellationen. Solcherart historisch-materialistisch untersetzt, vermögen kulturpsychologische Studien, indem sie einen Zugang zur Perspektive der Akteure auf die Vielfalt und den Wandel soziokultureller Kodierungen von Lebenswelten und Subjektivitäten bieten, sich ihrerseits als produktiv für das subjektwissenschaftlich-psychologische Anliegen zu erweisen, in Forschung und Praxis die widersprüchliche Bedeutung der Produktions- und Lebensweise für die gesellschaftlichen Individuen so aufzuschließen, dass diese äußere und innere Handlungsrestriktionen begreifen und sich in emanzipatorischer Perspektive Möglichkeitsräume für ihr Handeln erschließen können.
Abstract
Cultural psychology from a subject-scientific perspective. Constitutive for the subject-scientific perspective of Critical Psychology are, on the one hand, historically empirically obtained object determinations such as its reconstruction of psycho-phylogenesis and of human nature as societal nature, its materialistic concept of human subjects as socially situated bodily actors, its determination of the intentionality of human action etc., and, on the other hand, methodological principles of actual-empirical research starting from a generalised subject point of view as a standpoint of knowledge. With this, it can in principle connect to cultural-psychological programs that analyse individual action and psychological phenomena in their constitutive relation to socially-culturally transmitted artefacts, discourses, and ways of life, and include people in research on an equal footing as subjects acting on grounds.