Maschinenperspektive und Subjektstandpunkt

Artikel von Rainer Seidel in Forum Kritische Psychologie 34 (1994).

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Zusammenfassung

Es werden zwei Thesen diskutiert. Erstens: Kognitivismus wird vielfach gesehen als Überwindung des Behaviorismus mit dem Ziel, mentale Prozesse untersuchbar zu machen. Das Neue und die Besonderheit des Kognitivismus ist aber primär die Sichtweise des Menschen unter dem Blickwinkel der Berechenbarkeit, wie sie u.a. in der Turingmaschine theoretisch formuliert und im Computer praktizierbar ist. Die methodische Prämisse des Behaviorismus ist durch die »Kognitive Wende« nicht verändert worden, und Kognition war schon innerhalb des traditionellen Behaviorismus untersuchbar, wie es vor allem Tolman initiiert hatte. Zweitens: Die Simulation des Mentalen als Algorithmus oder als Maschinenprogramm bedeutet eine radikale Reduktion des Mentalen oder Subjektiven auf Kausalzusammenhänge. Dagegen erfordert die dem Menschen als Subjekt adäquate Forschung, das Handeln nicht als verursachtes, sondern in erster Linie als subjektiv begründetes aufzufassen. Gleichwohl kann die kognitivistische Forschung eine fruchtbare heuristische Funktion haben: Die (Computer-) Simulation menschlichen Verhaltens kann die Ebene von Begründungszusammenhängen mit der reduktiven Ebene rein kausaler Zusammenhänge konkret nachvollziehbar konstrastieren und dadurch — auch ex negativo — Fähigkeiten und Handeln des Menschen zunehmend erhellen.

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