Klaus Holzkamp – Entwurf für den Wikipedia-Artikel auf Spanisch

Veröffentlicht in: Forum Kritische Psychologie – Neue Folge 4 / Online-Supplement, Sept. 2022

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Spanischsprachiger Wikipedia-Artikel: https://es.wikipedia.org/wiki/Klaus_Holzkamp

Santiago Vollmer

Der vorliegende Entwurf ist als Grundlage für einen spanischsprachigen Wikipedia-Artikel zu Klaus Holzkamp gedacht. Er wurde in Diskussion mit dem kritisch-psychologischen Arbeitskreis in Berlin redigiert. U.a. haben Morus Markard und Ute Osterkamp Materialien zum wissenschaftlichen Werdegang Holzkamps zur Verfügung gestellt, die in den vorliegenden Text eingeflossen sind. Gezielt unterscheidet er sich vom entsprechenden deutschsprachigen Wikipedia-Artikel und behandelt Holzkamps Biographie stärker im Zusammenhang der Entwicklung der Kritischen Psychologie. Tom Pappritz und die Red. des Forum Kritische Psychologie haben Korrektur gelesen und das Ganze redaktionell verbessert – wofür ich mich bedanke.

Klaus Holzkamp (* 30. November 1927 in Berlin; † 1. November 1995 ebenda), war ein deutscher Psychologe und Schlüsselfigur der in Folge der 1968er-Studentenbewegung am Psychologischen Institut der Freien Universität Berlin entstandenen Kritischen Psychologie. Nach einer ersten Etappe der konstruktivistischen Kritik der in Deutschland etablierten Experimentalpsychologie (vgl. etwa 1981, 319), konfrontierte ihn die 1968er Studentenbewegung mit ihrer Kritik der gesellschaftspolitischen Funktion dieser Psychologie (s. Holzkamp 1972 a; Markard 2015, 11-25). Für Klaus Holzkamp bedeutete diese Kritik nicht zwangsläufig eine Ablehnung der Psychologie, sondern war mit der Frage verbunden, wie angemessenere bzw. weniger einseitige psychologische Begriffe zur menschlichen Subjektivität wissenschaftlich ausgearbeitet werden könnten, die gesellschaftliche Widersprüche und emanzipatorische Perspektiven nicht ausblenden (z. B. 1972 a, 289). In einem Prozess der Suche und Neuorientierung fand Holzkamp den Schlüssel zur Lösung dieses Problems in A. N. Leontjews Ansatz eines »historischen Herangehens an die Untersuchung der menschlichen Psyche« (1968/1973). Auf dieser Basis erarbeiteten Klaus Holzkamp, Ute H.-Osterkamp, Volker Schurig und weitere Begründer der Berliner Kritischen Psychologie in den 1970er Jahren grundlegende empirisch-historische Rekonstruktionen des menschlich Psychischen und seiner Funktionen (vgl. Markard 2015, 16 f). In seinem Hauptwerk Grundlegung der Psychologie arbeitete Holzkamp 1983 die Ergebnisse dieser Forschungen auf und entwickelte sie in der Perspektive der Kritischen Psychologie als marxistische Subjektwissenschaft mit der zentralen Kategorie der »Handlungsfähigkeit« (vgl. Markard 2015, 18 f). Fortan beziehen sich fast alle Arbeiten und Projekte Holzkamps und seines Kreises wesentlich auf die in diesem Werk erarbeiteten Begriffe und Ansätze, so auch Holzkamps letzte Monographie Lernen. Subjektwissenschaftliche Grundlegung (1993), und ebenso seine postum publizierten fragmentarischen Reflexionen zur Frage der »Lebensführung« (1995 a und 1996 b). In den zwei Jahrzehnten nach der deutschen Wiedervereinigung 1989 verliert das Projekt der Kritischen Psychologie ihr institutionelles Zentrum an der Freien Universität Berlin. Klaus Holzkamps Professur wird nach dessen Tod 1995 nicht wieder besetzt. Inhalte verschwinden stetig mit der Emeritierung bzw. mit dem Ausscheiden kritisch-psychologischer Dozent_innen. Es werden Stellen »eingespart«, studentische Mitbestimmungsstrukturen zurückgenommen (vgl. Baldauf et al. 2008, 101 ff) und ein stringent an vorgegebene Curricula gebundenes System permanenter Prüfungen eingeführt (ebd.; vgl. Markard 2009 b, 8-9; Pichert 2000, 10). Anstelle der Pluralität von Ansätzen, die einst den Studiengang im sogenannten »Holzkamp-Institut« ausgezeichnet hatte, setzten sich schließlich die psychologischen »Mainstream«-Positionen durch (Markard 2009 b). Über institutionelle Zentren hinaus, ist mit der Zeit ein Netzwerk aktiver kritischer Psycholog_innen der ersten, zweiten und dritten Generation nach Holzkamp entstanden, das sich allerdings v. a. auf den germanischen Sprachraum beschränkt. Die Rezeption in anderen Sprachräumen war lange Zeit gering. Erst 2015 erschien eine größere Zusammenstellung von Holzkamp-Artikeln auf Spanisch und seit 2016 existiert auch eine Sektion zu Klaus Holzkamp en español in der Zeitschrift Teoría y Crítica de la Psicología.

Inhaltsverzeichnis

    1. Kindheit und Jugend
 
    1. Studium und wissenschaftliche Laufbahn
    2. Projekte und Arbeitsgruppen
 
    1. Bezüge und Rezeptionen
    2. Gegenwart von Holzkamps Ansatz an Universitäten
    3. Herausgabe von Holzkamps Werk in deutscher Sprache
 
    1. Übersetzungen von Holzkamps Werk
    2. Werke und Schriften (Auswahl)
    3. Auf Spanisch publizierte Texte über Holzkamps Werk und Person (Auswahl)
 
  1. Presse-Artikel zu: Klaus Holzkamp, Schülerladen Rote Freiheit, Psychologisches Institut (Auswahl online verfügbarer Quellen)
  2. Weblinks
  3. Verwendete Bibliographie
  4. Anmerkungen

Kindheit und Jugend

Klaus Holzkamp wird am 30. November 1927 in Berlin geboren. Seine Eltern sind Kleinhersteller von Parfümerie- und Kosmetikprodukten.1 Vom 7. bis zum 15. Lebensjahr besucht er die Schule (normale Volks- und Oberschule) in Berlin. Im Frühjahr 1943 kommt er in eine Internatsschule in der Harzregion (Internatsgymnasium Pädagogium Bad Sachsa2). Im August 1944 wird er mit 17 Jahren dienstverpflichtet zum Reichsarbeitsdienst und als Funker ausgebildet. Als solcher muss er in den letzten Kriegstagen dienen. Im Mai 1945 gerät er beim Rückzug und auf der Flucht vor der Roten Armee in US-amerikanische Gefangenschaft. Im Februar 1946 wird er entlassen und geht zurück aufs Internat (Holzkamp, CV). Dort erkrankt er nach einem Jahr an Tuberkulose und kehrt zur Genesung ins Elternhaus nach Berlin zurück. In Berlin legt er im Dezember 1948 die Abiturprüfungen (am Paulsen-Gymnasium)3 ab. In manchen Passagen seines Buchs »Lernen« (1993) bezieht sich Holzkamp auf Erlebnisse während des letzten Jahres im Internat und während seiner Tuberkuloseerkrankung im Berliner Elternhaus. Zur 11. Klasse im Internat (Nachkriegswinter 1946) erwähnt er seine Teilnahme an einer Arbeitsgemeinschaft zu Schopenhauers Dissertation Über die vierfache Wurzel des Satzes vom zureichenden Grunde. Retrospektiv misst er dieser Lern-Erfahrung »außerhalb der Schuldisziplin« eine »besondere Bedeutung« für seinen späteren Werdegang zu (495 f). Die Art der Diskussionen in dieser AG, organisiert »im Stile eines (guten) Universitätsseminars« unter »Gleichinteressierten«, so Holzkamp, habe ihn »zunehmend aufgewühlt«. Hier habe er begonnen »zu ahnen […], was es heißt, wissenschaftlich zu denken und zu argumentieren: d. h. zu begründen, was man sagt, keine Denkschritte auszulassen und damit Resultate zu erschleichen, Wissen nicht vorzutäuschen, sondern permanent in Frage zu stellen, Einwände nicht selbstrechtfertigend abzuwerten und leerlaufen zu lassen, sondern in die weiteren Erwägungen einzubeziehen« (496). In dieser Situation »dämmerte« es ihm als Schüler, dass die »vorgespiegelte schulische Scheinwelt bekannter Tatsachen und gelöster Probleme nicht alles ist, sondern dass dahinter und darüber hinaus erst die eigentlichen spannenden Fragen und Fraglichkeiten beginnen« (ebd.). Während der Tuberkulose-Erkrankung und der halbjährigen Liegekur im Elternhaus liest er die drei »Kritiken« Kants (Kritik der reinen Vernunft, … der Urteilskraft und … der Praktischen Vernunft), die er im Bücherregal seines Vaters gefunden hat (1993, 498). Rückblickend erkennt Holzkamp darin eine Reaktualisierung des »Engagements« während der Schopenhauer-AG, wobei er »Kant aber noch viel spannender fand« (ebd.). Die in der Ruhe der Kur systematisch durchführte Lektüre beschreibt Holzkamp als jene »gelassene Konzentration«, die er später »als Befindlichkeit gelingender wissenschaftlicher Arbeit kennengelernt« habe (ebd.).

»Genau besehen begann damit, noch vor dem Abitur, meine wissenschaftliche Laufbahn: Mir war klar, dass ich etwas in dieser Art weitermachen würde […]. Dabei blieben Kants Problematisierungen […], wenn auch nicht geradlinig und ungebrochen, eine wesentliche Grundlage später entwickelter theoretischer Konzeptionen (einschließlich der Art der Marx-Rezeption)« (1993, S. 498 f).

Studium und wissenschaftliche Laufbahn

Frühe Jahre. Holzkamps konstruktivistische Kritik der (statistisch-experimentellen) Psychologie

1949, unmittelbar nach dem Abitur, beginnt Holzkamp das Studium der Psychologie an der Freien Universität Berlin; Ende 1954 absolviert er die Diplomprüfungen in dem Fach. Ein Jahr zuvor heiratet er seine erste Frau, Christine Holzkamp (vgl. Holzkamp, CV). Als wissenschaftlicher Mitarbeiter führt er zunächst an der Freien Universität theoretische und experimentelle Untersuchungen zum Ausdrucksverstehen durch und legt dazu 1956 seine Dissertation vor. Von 1955 bis 1957 führt er zusammen mit Kripal Singh Sodhi und Rudolf Bergius Erhebungen über nationale Vorurteile durch (vgl. 1956). Ab 1957 lehrt er Tiefenpsychologie, Ausdruckspsychologie, psychologische Methoden, dann übernimmt er die offizielle Vertretung des Fachs »Sozialpsychologie« und später auch die des Fachs »Pädagogische Psychologie« (in der Nachfolge von Hans Aebli; vgl. Holzkamp 1972 a, 212, sowie Markard 2015, 12 ff). Bekanntheit erlangen in dieser Phase Holzkamps experimentelle Untersuchungen auf dem Gebiet der Wahrnehmungs-, Denk- und insbesondere Sozialpsychologie. 1963 stellt er seine Habilitation vor, »Theorie und Experiment in der Psychologie«, die 1964 publiziert wird (neu hgg. 1981). 1968 wird seine Arbeit »Wissenschaft als Handlung« publiziert. In diesen wissenschaftstheoretischen Abhandlungen nimmt Holzkamp eine »konstruktivistische« Perspektive ein (vgl. 1981, 319). Er analysiert den Widerspruch zwischen der Bedeutung, die in der Psychologie dem Experiment als Prüfinstanz für die Theorieentwicklung zugesprochen wird, und der mangelnden Klärung des »Repräsentanz«-Problems, d. h. der Beziehung zwischen den experimentellen Befunden und den zur Deutung der Befunde konzipierten psychologischen Theorien. Die Folgen der mangelnden Klärung dieser Beziehung seien konzeptionelle Beliebigkeit, Verwechselung der Konstrukte über die Realität mit der Realität als solcher, dogmatische Verhärtung theoretischer Auffassungen und Stagnation des Wissenschaftsprozesses (vgl. 1964, etwa 211 ff). Gegenüber der »empiristischen« Ausrichtung psychologischer Experimentalforschung betont Holzkamp, dass wir die Realität nicht als solche, sondern durch die verfügbare Begrifflichkeit wahrnehmen (1968, etwa 34 f und 265 ff). Somit sei diese Begrifflichkeit als Teil des Forschungsprozesses in die theoretische Analyse einzubeziehen. Sie müsse in ihren Auswirkungen auf die Hypothesenbildung, Definition und Interpretation der Ergebnisse hin untersucht werden. Gegen die Vorstellung einer wissenschaftlichen Erkenntnis, die sich bloß beobachtend und analysierend von der Erfahrung leiten lassen kann, hebt Holzkamp den handelnden Aspekt der Erkenntnisgewinnung hervor. Das wissenschaftliche Fragen löst seinen eigenen Gegenstand aus der Alltagswirklichkeit heraus. Wissenschaftliche Erkenntnissuche sei i. d. S. keine bloß passive Perzeption von Tatsachen, sie sei vielmehr als aktives Tun zu begreifen, »als eine bestimmte Weise menschlicher Produktivität« (ebd. 22).

Der Einzug der Studentenbewegung 1968 ins Psychologische Institut der Freien Universität Berlin. Holzkamps »kritische« Umorientierung

Holzkamp erlangte mit der auf »›konstruktivistischer‹ Wissenschaftstheorie« basierten (1981, 319) Kritik am traditionellen psychologischen Experiment Renommee innerhalb der deutschen experimentellen Psychologie. Als die Studentenbewegung 1968 die Freie Universität Berlin ergriff, galt er als »arrivierter Akademiker«4 bzw. »arrivierter ›bürgerlicher‹ Professor«.5 Noch war er der Auffassung, es sei möglich, die von ihm aufgezeigten Mängel innerhalb des traditionellen psychologischen Paradigmas zu überwinden. Doch nun sah sich Holzkamp mit der studentischen Kritik an der gesellschaftspolitischen Funktion herrschender Psychologie praktisch konfrontiert:6

»Dozenten wurden zu Diskussionen über Fragen der Politisierung der Wissenschaft gezwungen, Lehrveranstaltungen umfunktioniert, der überkommene Studienbetrieb und die traditionellen Lehrinhalte in Flugblättern, Vollversammlungen und teach-ins kritisch in Frage gestellt.« (1972 a, 214)

Die studentische Kritik an der gesellschaftspolitischen Funktion der Psychologie lässt sich anhand eines von Holzkamp zitierten Vortrags illustrieren, den die damals studierende Irmingard Staeuble7 1968 beim Verband Deutscher Studentenschaften (VDS) hielt:

»Überblickt man die Bereiche, in denen Psychologen vorwiegend tätig sind, muss man feststellen: (a) Sie arbeiten unmittelbar im Dienst des Imperialismus (Kriegsforschung, ›Psychologische Verteidigung‹). (b) Sie arbeiten im Dienst der kapitalistischen Wirtschaft (Marktforschung, Werbung). (c) Sie wirken indirekt an der Stabilisierung der bürgerlichen Ideologie (Meinungs- und Kommunikationsforschung). (d) Sie betreiben die effektive Leistungseinordnung des Einzelnen ins System dieser Gesellschaft (alle Arten Auslese; Betriebspsychologie, Berufsberatung). (e) Sie wirken in Richtung sozialer Anpassung (Erziehungsberatung; sonstige Beratung).« (Staeuble 1970, nach Holzkamp 1972 a, 221)

Durch die Betreuung studentischer Arbeiten steht Holzkamp in direktem Kontakt und in Auseinandersetzung mit »kritischen Studenten«, die diese und ähnliche Positionen artikulieren. Gerade als Betreuer der zitierten Studentin Irmingard Staeuble führt er 1964-1965 »harte Kontroversen«, über die er 1972 reflektiert:

»Ich argumentierte zunächst aus der Position der vermeintlichen Überlegenheit des positivistischen Wissenschaftsbegriffs heraus, bis ich allmählich merkte, dass es da einiges für mich zu verstehen gab, das mir bisher unzugänglich gewesen war – wenn ich auch noch nicht genau wusste, was.« (1972 a, 228)

Holzkamp geht auf die Auseinandersetzung mit den studentischen Positionen ein. Er nimmt an von den Studenten organisierten Diskussionen und Veranstaltungen teil, 1967-68 an einem Kolloquium, bei dem u. a. Texte der Kritischen Theorie, speziell von Habermas, und Die deutsche Ideologie von Marx und Engels studiert werden. Er findet sich dort, wie er später erinnert, »ausschließlich in der Position des Lernenden« (ebd.). 1970 wendet sich Holzkamp mit dem Text »Zum Problem der Relevanz psychologischer Forschung für die Praxis« der Studentenbewegung zu, indem er mit Habermas nach der technischen und emanzipatorischen Relevanz psychologischer Forschung fragt (1970 a, etwa 24). Gleichzeitig rezipieren die Studierenden Holzkamp und holen ihn in die Bewegung hinein.8 Herausgefordert von den Studenten als seinen Lehrern und Lehrerinnen, beginnt er, mit ihnen Das Kapital von Karl Marx zu studieren (vgl. W. F. Haug 2019, 9.). Am studentisch organisierten Seminar nehmen auch andere kritische Psychologinnen der ersten Generation teil, so die Studentin Irmingard Staeuble, ebenso wissenschaftliche Assistentinnen bzw. Kolleginnen wie Gisela Ulmann.9 Mit dabei ist auch Ute Osterkamp,10 die Klaus Holzkamp nach der Auflösung seiner ersten Ehe heiratet. Das Studium des marxschen »Kapitals«, erinnert sich später Holzkamp, leitete »Erkenntnisprozesse ein […], die so umwälzend waren, dass sie zu einer Umstrukturierung nicht nur unserer psychologischen Auffassungen, sondern unserer gesamten Lebenspraxis führten.« (1976, 245)11 Es ist ein Prozess »krisenhaften Umbruchs« (1972 a, 211), bei dem Holzkamp die Grenzen seiner bisherigen, eher formal konstruktivistisch formulierten und auf den Wissenschaftsprozess zentrierten Überlegungen allmählich absteckt. So richtig es war, den handelnden Aspekt der Erkenntnisgewinnung, etwa in Wissenschaft als Handlung (1968), zu unterstreichen, müssten Bedingungen und wissenschaftliches Handeln über den wissenschaftlichen Kontext hinaus auf gesellschaftliche Verhältnisse bezogen und die eigene Reproduktion darin reflektiert werden, so Holzkamp. Seine einstigen konstruktivistischen Infragestellungen seien i. d. S. »ein Beispiel dafür, wieweit man kommt, und wo man stehen bleibt, wenn man […] den handelnden Forscher nur als isoliertes Individuum gegenüber einer bisher unberührten Wirklichkeit in den Blick bekommt: d. h. wenn man nicht begreift, dass Erkenntnis ein Aspekt der gegenständlichen Naturaneignung durch gesellschaftliche Arbeit im historischen Prozess ist.« (1981, 276; vgl. Markard 2015, 13 f) Im Anschluss an Marx versteht jetzt Holzkamp, dass eine wirksame Psychologiekritik die Erarbeitung eines Begriffs wissenschaftlicher Erkenntnis erfordert, der die gesellschaftliche Relevanz psychologischer Forschung und ihren wissenschaftlichen Wahrheits- und Erkenntnisanspruch in ihrem Zusammenhang begreift. Es gilt, die »Zusammenhangs- und damit Widerspruchsblindheit« der bürgerlichen Psychologie (den wissenschaftshistorischen Möglichkeiten entsprechend) zu überwinden, also »gesellschaftliche Widersprüche, sofern sie in dem untersuchten Gegenstandsbereich gegeben sind, auch in wissenschaftlicher Erkenntnis« (1972 a, 289) zu erfassen. In diesem Sinne, heißt es dann 1973 in Sinnliche Erkenntnis, muss die Kritik an der traditionellen Psychologie immer auch um die Weiterentwicklung der Psychologie bemüht sein, d. h. an der Erarbeitung einer Begrifflichkeit, durch die »der gleiche Wirklichkeitsbereich«, auf den sich die traditionelle Psychologie bezieht, »in umfassender, weniger verzerrter, ›richtigerer‹ Weise erkennbar werden kann« (1973 a, 14 f). Eine solche Psychologie könne sich nicht aus dem gesellschaftlichen Prozess herauslösen. Im Gegenteil, sie habe »quasi in der ›Innensicht‹« von den Erfahrungen der Menschen im gesellschaftlichen Prozess auszugehen (1972 a, 278). Sie habe zu versuchen, diese auf den Begriff zu bringen, d. h. über die Explikation gesellschaftlicher Zusammenhänge Gewusstes zu Bewusstem, Bekanntes zu Erkanntem zu machen, von der Vorstellung einer Sache zu ihrem Begriff aufzusteigen (ebd.).

Die konservative Antwort auf die Umbrüche am Psychologischen Institut der Freien Universität Berlin. Pressekampagne und Teilung des Instituts

Vor 1967 dominieren in Forschung und Lehre am Psychologischen Institut der Freien Universität Berlin Ansätze, die sich v. a. an den Methoden und Befunden der amerikanischen Experimentalpsychologie orientieren. Sie verstehen die Psychologie als eine empirisch-analytische, nomothetische Wissenschaft (vgl. dazu Holzkamp 1972 a, 212, 215). Die Studentenbewegung entwickelt nicht nur eine für das Institut neue Art der Kritik dieser Psychologie. Sie führt auch neue Inhalte für das Studium ein (ebd., 215 f), sie gründet neue Strukturen für das Studium der Psychologie (1967/68 etwa die »Kritische Universität« mit über dreißig Arbeitskreisen),12 und sie führt v. a. neue Formen der Diskussion, Infragestellung und Auseinandersetzung ein (Holzkamp 1972 a, 215 f). Ein Teil des akademischen Personals ist nicht bereit, solche Veränderungen mitzutragen.13 Holzkamp hingegen engagiert sich mit den Student_innen und unterstützt u. a. das studentische Stadtteilprojekt »Schülerladen Rote Freiheit«, indem er, als Voraussetzung für dessen staatliche Förderung, die offizielle Verantwortung für das Projekt übernimmt. Über gestohlene Protokolle gelangen Diskussionen über (das Verhältnis der Kinder zu) Sexualität, die im Kontext dieses studentischen psychologisch-pädagogischen Projekts geführt worden sind, an die Öffentlichkeit. Eine Pressekampagne wird ausgelöst, fokussiert auf die aufrührerischen Student_innen und auf Holzkamp.14 Gleichzeitig startet im Fachbereich Psychologie eine konservative Initiative für die Gründung eines eigenen, zweiten Instituts. Durch die Schülerladen-Skandalisierung gestärkt, hat diese Initiative Erfolg. 1970 kommt es zur Auflösung des alten Instituts und zur Errichtung zweier neuer Institute, einem »konservativen« und einem »linken« (vgl. Holzkamp, 1972 a, 268 ff).15 Im deutschsprachigen Raum wird in dieser Zeit das »linke« Institut öfter als »Holzkamp-Institut« bezeichnet.16 Allerdings sind dort – studentisch erkämpft – neben kritisch-psychologischen Positionen ebenso psychoanalytische, gemeindepsychologische, feministische und traditionell-psychologische Ansätze vertreten (später kommen auch poststrukturalistische Ansätze hinzu; vgl. Markard 2015, 15). Die Einrichtung des Instituts bedeutet für Holzkamp und die anderen Dozent_innen, in kürzester Zeit ein neues, alternatives Lehrangebot zu erarbeiten. Zum einen sollen dabei perspektivisch Probleme des traditionellen Angebots überwunden werden. Zum anderen soll das neue Lehrangebot dennoch der allgemeinen Studien- und Prüfungsordnung entsprechen und den Studierenden einen anerkannten Studienabschluss ermöglichen (Holzkamp 1975, etwa 198 ff).

Von der Frage nach einer »kritischen« Psychologie …

Die Entwicklung der »Kritischen Psychologie« durch die Arbeitsgruppe um Holzkamp ist von Anfang an ein kollektives Unterfangen. Mehr als einen neuen Ansatz zu schaffen, besteht zuerst die Frage nach einer »kritischen«, emanzipatorischen Psychologie. Über deren Möglichkeit wird zu dieser Zeit nicht nur in Berlin intensiv diskutiert (vgl. Markard 2015, 14). 1970 geben Student_innen der Bewegung unter dem Titel »kritische psychologie« Materialien für ihr autonom organisiertes »kritisches Studium« als Raubdruck heraus. Enthalten sind Texte marxistischer Autoren, wie Theodor W. Adorno, Klaus Holzkamp, Herbert Marcuse und Wilhelm Reich, ebenso Referate kritischer Studentinnen wie Irmingard Staeuble17 sowie Resolutionen studentischer Kongresse der Zeit (Nantes18 und Tübingen19 1968, Hannover20 1969).21 Auf der Rückseite der Publikation ist der Aufruf der Studenten von Nantes abgedruckt, der mit dem Satz endet: die AGEN-UNEF ruft »alle Psychologiestudenten dazu auf, ihr Studium aufzugeben«. Analog heißt es in der Resolution des »Kongresses kritischer und oppositioneller Psychologie« (Hannover, Mai 1969):

»Die Psychologie war und ist immer ein Instrument der Herrschenden. Sie ist folglich nur als Wissen über das Herrschaftssystem brauchbar. Die konkrete Alternative zum Traum von der Umfunktionierung der Psychologie zum Instrument des Klassenkampfes ist ihre Zerschlagung.«

Der Abschlusssatz lautet entsprechend: »ZERSCHLAGT DIE PSYCHOLOGIE!« Auf den nachfolgenden Seiten wird die »Gegenresolution« desselben Kongresses eingefügt, die unter Punkt drei für die »Existenzberechtigung der kritischen Psychologie« eintritt:

»eine kritische Psychologie [ist] in Zukunft möglich und notwendig […], gerade für die revolutionäre Umwandlung der Gesellschaft, die neben dem ökonomisch-objektiven Gesichtspunkt den psychologisch-subjektiven nicht außer Acht lassen darf.« (170)

Auch Irmingard Staeubles Referat von 1968 ist im genannten Raubdruck enthalten, mit der Frage: »Wo sind die Ansätze für eine kritische Psychologie?« (1970, 121)

… zur »Kritischen Psychologie«

Das durch den Rückzug der »Konservativen« neu entstandene »linke« Psychologische Institut bietet den Raum für eine Diskussion, die auch die konservativen Positionen einschließt. Zusammen mit kritischen Student_innen und Lehrkräften arbeitet Holzkamp an der Entwicklung einer »Kritischen Psychologie« (vgl. etwa Holzkamp 1970 b, 85 und 1972 a, 222 passim). An dieser gemeinsamen Arbeit beteiligen sich sogar manche der früheren Unterstützer der »Zerschlagungs«-Resolution (Holzkamp 1972 a, 228). In der Zwischenzeit sind viele linke Student_innen zu wissenschaftlichen Mitarbeitern oder Dozenten geworden, so dass die kritische Auseinandersetzung und Entwicklung »zum mindesten in manchen Fächern innerhalb des regulären Studiums in Angriff genommen werden« kann (ebd., 265). Nach und nach ziehen auch von außerhalb Wissenschaftler_innen ins Westberliner Psychologische Institut ein, um sich am kritisch-psychologischen Projekt zu beteiligen. Aus der DDR kommt 1971 der Biologe Volker Schurig, um im Institut als Assistenzprofessor zu arbeiten. Zusammen mit Holzkamp wird er 1973 ein für die entstehende Kritische Psychologie grundlegendes Werk von Alexei Nikolajewitsch Leontjew herausgeben: Probleme der Entwicklung des Psychischen. An Leontjew anschließend, werden die Untersuchungen Schurigs – v. a. auf dem Gebiet der Menschenwerdung unter dem Aspekt des Psychischen – für Holzkamp und die Kritische Psychologie zentral. Es folgen u. a. Reiner Seidel, der aus kritisch-psychologischer Perspektive das menschliche Denken untersucht (z. B. 1976), Eckart Leiser, der v. a. die kritische Sicht auf die Statistik und ihre Begrenztheit bezüglich der Psychologie entwickelt (z. B. 1978), sowie Wolfgang Maiers mit Untersuchungen zur kritisch-psychologischen Wissenschafts- und Erkenntnistheorie (z. B. 1979). Hinzu kommt später Morus Markard, der etwas zur Kritik bürgerlicher Sozialpsychologie, zu kritisch-psychologischer Praxisforschung und allgemein zu Methodenfragen beitragen wird (z. B. 1984, 1991). 1977 tritt Ole Dreier, der zu der Zeit in Dänemark mit einer kritisch-psychologischen Fallanalyse einer Familientherapie promoviert hat (auf Dt. 1980 hgg.), in direkten Kontakt mit Holzkamps Kreis. Von Beginn an im neuen Psychologischen Institut, entwickelt Ute H.-Osterkamp die Kritik der Emotionstheorien und Motivationspsychologie; 1975-76 liegen bereits die Ergebnisse ihrer ersten und extensiven, für die Kritische Psychologie grundlegenden Arbeit zur Motivationsforschung vor. Gisela Ulmann forscht und unterrichtet zum Thema Erziehung, Pädagogik und Lernen aus subjektwissenschaftlicher Perspektive und beteiligt sich an Forschungsprojekten wie etwa am von Holzkamp initiierten Projekt Subjektentwicklung in der frühen Kindheit (z. B. Ulmann 1987). Ab 1971 arbeitet auch die Soziologin Frigga Haug am Psychologischen Institut, wo sie in permanenten und kritischen Austausch mit Holzkamps Arbeitskreis tritt. Zusammen mit anderen gründet sie das interdisziplinäre Forschungsprojekt Automation und Qualifikation (PAQ, z. B. 1976); und sie entwickelt v. a. die Linie eines marxistischen Feminismus, der Begriffe der Kritischen Psychologie in den Feminismus bzw. den Feminismus in die Kritische Psychologie hineinträgt (z. B. Haug & Hauser 1985). In diesem Prozess entstand die »Kritische Psychologie«, laut Gisela Ulmann, als

»›kollektives Projekt‹ – insofern, als wir an der ›gemeinsamen dritten Sache‹22 arbeiteten. Klaus Holzkamp hat wie wir anderen wohl fast nichts veröffentlicht, ohne es vorher seiner Meinung nach kompetenten Kolleg_innen zugänglich zu machen und/oder Studierenden in Seminaren und Vorlesungen. Kritik nahm er auf oder verwarf sie, und wenn er sie dankend berechtigt fand, dachte er um. Ich erinnere mich an einen Satz von ihm aus den 1970er Jahren, nachdem er seine Meinung während einer Diskussion geändert hatte: ›Ihr könnt mich nicht für das verantwortlich machen, was ich vor 5 Minuten gesagt habe, bevor ich Eure Argumente gehört habe.‹« (Ulmann & Zander 2015, 67 f)

Wichtige Debatten in und um die »Kritische Psychologie« werden zwischen 1975 und 1977 in der Zeitschrift Das Argument geführt, ab 1978 in der von Holzkamp und Kolleg_innen gegründeten Zeitschrift Forum Kritische Psychologie.23 Im Rahmen dieser Auseinandersetzungen kristallisieren sich zwei grundlegende Arbeitsrichtungen der Psychologiekritik heraus: Die einer wissenschaftsbezogenen und die einer gegenstandsbezogenen Analyse.

Wissenschaftsbezogene Analyse

Dieser Strang der Psychologiekritik konzentriert sich auf die Analyse der Formen, in denen Psychologie in unterschiedlichen Gesellschaftsbereichen zur ideologischen Rechtfertigung und Stabilisierung bestehender Machtverhältnisse beiträgt. Von besonderer Relevanz sind dabei solche Analysen, in denen die gesellschaftliche Genese und Funktion bestimmter Begriffe in der Geschichte der Psychologie nachverfolgt wird, um den historischen Zusammenhang nachzuvollziehen, der ihre Erkenntnismöglichkeiten und Erkenntnisschranken zu einer gegebenen Zeit bestimmt (bezüglich dessen also, was sie beleuchteten, nahelegten, aber auch verkehrten, verkannten, entöffentlichten). Als Bsp. hierzu können v. a. die Analysen von Jaeger & Staeuble zur gesellschaftlichen Genese der Psychologie (1978) genannt werden und Arbeiten wie die von H.-Osterkamp (1976), in denen Freud’sche Auffassungen analysiert wurden, die in der Holzkamp’schen Perspektive der Kritischen Psychologie zentral sind. Auch Holzkamps Vortrag Zur Stellung der Psychoanalyse in der Geschichte der Psychologie (1985 a) entspricht größtenteils dieser Kritiklinie.

Gegenstandsbezogene Analyse, genetisch-rekonstruktiver Ansatz

Dieser Arbeitsstrang zeichnet sich durch die Entwicklung bzw. Begründung psychologischer Grundbegriffe aus. Die gebräuchlichen Vorstellungen über das menschlich Psychische und die Erscheinungen, auf die sie sich beziehen, sollen dabei so entschlüsselt werden, dass das widersprüchliche Verhältnis zwischen der natürlichen, gesellschaftlichen und individualbiographischen Ebene begrifflich fassbar wird. Zu diesem Zweck schlägt Holzkamp die Durchführung einer phylogenetischen bzw. gesellschaftsgeschichtlichen Rekonstruktion vor, die an die Herangehensweise der genetisch-rekonstruktiven Begriffsentwicklung in Das Kapital von Karl Marx anknüpft (vgl. etwa 1976). Marx verfolgt »die Genesis der Geldform […], also die Entwicklung des im Wertverhältnis der Waren enthaltenen Wertausdrucks von seiner einfachsten unscheinbarsten Gestalt bis zur blendenden Geldform« (Das Kapital, Bd. 1, [1867], 62) und erarbeitet auf diesem Weg die Begriffe zur Kritik der politischen Ökonomie. In vergleichbarer Weise arbeitet Holzkamp die Kategorien des menschlich Psychischen genetisch-rekonstruktiv heraus (vgl. 1983 a, 48 f; 1984 a, 11 ff; s. etwa auch Vollmer 2021, 149 f): Ausgangspunkt der Rekonstruktion sind die in Alltag und Wissenschaft gebräuchlichen Vorstellungen über das Psychische (Holzkamp 1976, 210). Es soll »vom alltäglichen Vorwissen zum ›Begriff‹« des menschlich Psychischen vorangeschritten werden (1973 a, 21). Mit diesem Ziel wird in Anlehnung an A. N. Leontjews »objektive Bestimmung des Psychischen« ([1968] 1973; vgl. etwa Holzkamp 1983 a, 46 ff; 1984 b, III, 34 f) bis zur Entstehung des Psychischen selbst zurückgegangen, um von dort aus den naturgeschichtlichen Prozess zu rekonstruieren, durch den sich die Funktionen des Psychischen geformt und ausdifferenziert haben. Über die Anthropogenese und den Übergang zur gesellschaftlich-ökonomischen Stufe der Lebensgewinnung gelangt die Rekonstruktion schließlich zu einer neuen Bestimmung der Qualität des spezifisch menschlichen Psychischen (einführend s. etwa 1984 b). Die separate Darstellung der Stränge der gegenstands- und wissenschaftsbezogenen Analyse bedeutet allerdings nicht, dass beide Analysearten sich gegenseitig ausschließen. Stattdessen muss jeder psychologische Gegenstandsbereich (die »Bedürfnisse«, die »Wahrnehmung« usw.), mit Holzkamp gesprochen, »bei einer vollständigen historischen Analyse […] quasi als ›im Schnittpunkt‹ der beiden historischen Entwicklungszüge«, d. h. der Entwicklung des Psychischen als Gegenstand und der Psychologie als Wissenschaft, begriffen werden (1973, 47; vgl. Maiers 1979, etwa 51 ff; s. ebenso Markard 2009 a, 98).

Aktualität der »genetischen Rekonstruktion« des Psychischen

Die historische bzw. genetische »Rekonstruktion« (bestimmter Aspekte) des Psychischen kann nicht anders als auf der Grundlage von Materialien und Befunde erfolgen, die der Wissenschaft eben zu dem Zeitpunkt gegeben sind. Dies sind Materialien, die aus der jeweils »aktuellen« Ethologie, Anthropologie, Ethnologie usw. entnommen werden (Holzkamp 1983 a, 40).24 Weil sich unvermeidlich der Forschungsstand, die Diskurse, die debattierenden Interessengruppen mit Bezug auf diese Materialien ändern, ist die rekonstruktive Entwicklung der kritisch-psychologischen Begriffe bzw. »Kategorien« stets in ihren »Resultaten unabgeschlossen« und immer erneuerbar (Holzkamp 1984 a, 12, vgl. auch Markard 2009 a, 103 f). Dies bedeutet einerseits, dass die »subjektwissenschaftliche Begrifflichkeit […] historisch ›veralten‹ kann« (Holzkamp 1990, 42). Andererseits, wie es bereits in einer programmatischen Schrift von 1970 heißt, ist auch die »kritisch-emanzipatorisch gemeinte Psychologie […] permanent auf ihre Entstehungsbedingungen innerhalb der bürgerlichen Klassengesellschaft und damit auf ihre spezifische Verhaftetheit in Klasseninteressen hin zu reflektieren« (Holzkamp 1970 b, 128). Also: »Anwendung der ihr eigenen kritisch-historischen Methode auf sich selbst« (ebd.).

In Holzkamps Opus Magnum Grundlegung der Psychologie25 werden z. B. die ein Jahrzehnt zuvor in Sinnliche Erkenntnis entwickelten »Auffassungen« zur »Psychogenese der Sprache […] in wesentlichen Punkten revidiert und weiterentwickelt« (Holzkamp 1983 a, 229). Auf einer anderen Ebene betreffen die in diesem Werk getroffenen Korrekturen sogar die Anwendung des genetisch-rekonstruktiven Ansatzes selbst, genauer: Die falsche »Universalisierung des funktional-historischen Herangehens« – der naturhistorische Teil der Rekonstruktion – in frühere Arbeiten (Holzkamp 1984 a, 35 f).

Unter einem wiederum anderen Aspekt gibt es in der Grundlegung der Psychologie einige auf »sozialistische Verhältnisse« bezogene Formulierungen, die später für Holzkamp zwar argumentativ triftig, aber »aus der Sicht der ›Nachwende-Zeit‹ in vielfältiger Hinsicht […] schief und überholt« erscheinen (1990, 42).

Der Prozess der Debatten, Auseinandersetzung, Akzentverschiebungen und Erarbeitung neuer Sichtweisen Holzkamps und seines Arbeitskreises ist in den zwischen seinen Hauptwerken verfassten Artikeln nachvollziehbar, die hauptsächlich in der Zeitschrift Forum Kritische Psychologie erschienen.

Ausrichtung auf die wissenschaftliche Fundierung psychologischer Kategorien

Der Sinn der erwähnten genetisch-rekonstruktiven Prozedur besteht darin, empirisch zu untersuchen und zu reflektieren, was adäquate psychologische Begriffe dem aktuellen Stand wissenschaftlicher Erkenntnisse nach auszeichnen kann, um mit diesen wiederum eine möglichst reflektierte und adäquate Beleuchtung der konkreten empirischen Situation zu ermöglichen. Dank dieser kategorialen Vorarbeit soll später bei der konkreten psychologischen Arbeit vermieden werden können, dass z. B. Menschliches auf Vormenschliches bzw. Tierisches reduziert wird oder dass Menschen Eigenschaften auf Grundlage bloßer Vorurteile zugeschrieben werden (vgl. etwa 1984 a, 13 ff und 1984 c, 9 f). Dieser genetischen Rekonstruktion entsprechend, leitet sich nach Holzkamp bei der Bezeichnung »Kritische Psychologie« das Wort »›Kritisch‹ […] aus der ›Kritik der politischen Ökonomie‹« ab (Holzkamp 1976, 248 f).26 Dies bedeutet für Holzkamp erstens die kritische, genetisch-rekonstruktive Entwicklung der psychologischen Begriffe, zweitens die Kritik der Gegenstandsverfehlung bestehender Psychologie sowie ihrer Funktion als Anpassungs- und Kontrollwissenschaft und drittens die Kritik der gesellschaftlichen Verhältnisse, in denen eine solche Psychologie funktional ist (vgl. Vollmer 2021, Fn. 1, 150). Als Resultat der genetischen bzw. historischen Rekonstruktion ist der Begriff der »gesellschaftlichen Natur« von zentraler Bedeutung, der die (unter allen Lebewesen einzigartige) »biologische« Potenz der Menschen zusammenfasst, sich individuell in Prozesse gesellschaftlich-historischer Größenordnung hinein zu entwickeln und damit zu deren Träger und Veränderer zu werden (vgl. etwa Holzkamp 1984 a, 19 ff, 1984 b, 30 ff). Im Sinne der Ausrichtung auf die wissenschaftliche Fundierung psychologischer Kategorien betont Holzkamp, dass die Kritische Psychologie nicht als eine bestimmte Theorie, Arbeitsrichtung oder Schule zu verstehen sei (1983 a, 19 ff). Sie stelle vielmehr einen Beitrag dar zu einer wissenschaftlich fundierten, kategorial-methodischen Grundlegung (ebd.) einer Psychologie, die es ermöglicht, die »Unmenschlichkeit« der Reduzierung menschlicher Subjektivität auf die Vorstellung eines »weltlosen« Individuums und damit auf die bloße Anpassung an die jeweiligen Bedingungen zu erkennen (z. B. Holzkamp 1977 a). Die Erarbeitung der kritisch-psychologischen Begriffe ist allerdings nur der erste Schritt; d. h. sie ist die Voraussetzung, um die systematischen Beschränkungen des allgemeinen/eigenen Handelns und Denkens durch die herrschenden Verhältnisse und Denkweisen erkennen zu können. Der zweite und wesentliche Schritt wäre die – vom Standpunkt des Subjekts aus geführte – Analyse der konkreten, objektiv wie subjektiv bestimmten Behinderungen und Befürchtungen bzw. Bedrohungen, die der Realisierung der Erkenntnis entgegenstehen. In diesem Sinne dienen Kritisch-psychogische Begriffe dem Begreifen der gesellschaftlichen Wirklichkeit des jeweils eigenen Handelns (vgl. etwa Holzkamp 1990).

Die Bezeichnung »Kritische Psychologie« bei Holzkamp

Wenn sich in der Bezeichnung »Kritische Psychologie« nach Holzkamp das Wort »›Kritisch‹ […] aus der ›Kritik der politischen Ökonomie‹« (Marx) ableitet, so bedeutet sie 1. die kritische, genetisch-rekonstruktive Entwicklung der psychologischen Begriffe, 2. die Kritik der Gegenstandsverfehlung bestehender Psychologie sowie ihrer Funktion als Anpassungs- und Kontrollwissenschaft und 3. die Kritik der gesellschaftlichen Verhältnisse, in denen eine solche Psychologie funktional ist. – Mit Bezug auf die marxistische bzw. genetisch-rekonstruktive Entwicklung eines Gesamts psychologischer Begriffe bzw. Kategorien hat sich in Deutschland eingebürgert, von solcher »kritisch« entwickelten Psychologie als »Kritische Psychologie« zu sprechen (Markard 2015, 16). International kommt allerdings der Bezeichnung »kritische Psychologie« eine breitere Bedeutung zu, der sich Holzkamps »Kritische Psychologie« und ihr Beitrag unterordnen: Es gibt gemeindepsychologische, psychoanalytische, kulturpsychologische, feministische, poststrukturalistische Ansätze, die sich selbst als kritische Psychologie, critical psychology, psicología crítica usw. bezeichnen (ebd.). Bei der Vorstellung seines Buches Psicología crítica: definición, antecedentes, historia y actualidad hat David Pavón-Cuéllar (2020) eine Vielfalt von Autor_innen, Fragestellungen und Ansätzen aufgezählt, unter denen sich auch Holzkamp und sein subjektwissenschaftlicher Ansatz findet, und mit denen die Frage: »¿Qué es la psicología crítica?« auf breitester Ebene beantwortet werden kann.

Die integrale Erarbeitung des Begriffs der »gesellschaftlichen Natur« des Menschen

Wenn der Mensch die Lebensbedingungen produziert, unter denen er zugleich steht, dann sollte diese »Doppelbeziehung« psychologisch entschlüsselt werden – und zwar möglichst so, dass sie adäquat durch die erarbeiteten psychologisch-analytischen Kategorien erfasst werden kann (vgl. etwa Holzkamp 1985 b, 13 f). Entsprechend versucht Holzkamp, mit Bezug auf die »gesellschaftliche Natur« der Menschen als Vermittlungsinstanz zwischen deren »Natürlichkeit« und »Gesellschaftlichkeit«, den Zusammenhang von gesellschaftlicher und individueller Reproduktion in unterschiedlichen Funktionsbereichen des Psychischen auszuweisen. Bei der Rekonstruktion der naturgeschichtlichen sowie gesellschaftlich-historischen Entwicklung der Menschen wurden so u. a. Wahrnehmung, Emotion, Motivation, Denken und Handlungsfähigkeit neu bestimmt. Dadurch konnten wiederum die jeweils spezifisch reduzierten bzw. reduzierenden Charakteristika der herrschenden Begrifflichkeit erkennbar und deren Funktion analysierbar gemacht werden. Die »doppelte Möglichkeit« der Anpassung an Verhältnisse oder der Überwindung von Verhältnissen, die zur Anpassung nötigen, wurde z. B. in Begriffspaaren wie restriktive/verallgemeinerte Handlungsfähigkeit, deutendes/begreifendes Denken (Holzkamp 1983 a), defensives/expansives Lernen (Holzkamp 1993) oder Motivation vs. innerer Zwang (H.-Osterkamp 1976, Holzkamp 1983 a) konkretisiert.

Ansatz einer Psychologie vom Subjektstandpunkt mit der zentralen Kategorie der Handlungsfähigkeit

In seinem Hauptwerk Grundlegung der Psychologie arbeitet Holzkamp 1983 die Ergebnisse von rund zehn Jahren kritisch-psychologischer Forschungen auf.27 Er versucht ein umfassendes Kategoriensystem für eine psychologische Forschung und Praxis auf den Begriff zu bringen, die, wie es im Klappentext heißt, nicht mehr »›am Thema‹ menschlicher (Inter)Subjektivität vorbeigeht und gerade darin wissenschaftliche Objektivität erreichen kann«. Zentral ist dabei das Konzept personaler Handlungsfähigkeit als praktischer Verfügung der Menschen über ihre Lebensbedingungen. Die konkreten Erscheinungsweisen subjektiver Befindlichkeit werden damit analysierbar als Konflikt zwischen zwei strukturell grundsätzlich bestehenden Möglichkeiten der Situationsbewältigung: Einerseits besteht die »spontane« Tendenz, zur Durchsetzung individueller Interessen die zugestandenen Möglichkeiten im Sinne »restriktiver Handlungsfähigkeit« zu nutzen und entsprechend nahegelegte Denkformen zu reproduzieren (z. B. unter kapitalistischen Verhältnissen, sich konkurrenzförmig zu verhalten). Andererseits besteht immer die Alternative, durch Transformation gesellschaftlicher Bedingungen die Möglichkeiten als solche im Sinne einer »verallgemeinerten Handlungsfähigkeit« zu erweitern. Allerdings, je relevanter die dabei zu erweiternden Möglichkeiten sind, desto mehr wird die Erweiterung Vermittlungen bzw. Zusammenschlüsse mit anderen voraussetzen (s. einführend etwa Holzkamp 1985 b, vgl. Markard 2015, 18 f sowie 2001). Mit Bezug auf die Dynamik restriktiver Handlungsfähigkeit beleuchten Holzkamps Analysen eine Reihe von Widersprüchen, die mit den durch Machtkonstellationen durchdrungenen bürgerlichen Klassenverhältnissen verbunden sind. Unter gesellschaftlichen Bedingungen, in denen unmittelbar eine gemeinschaftliche Verfügung über die eigenen Lebensbedingungen ausgeschlossen ist, birgt z. B. die Alternative der gemeinsamen Erweiterung gesellschaftlich bestehender Möglichkeiten auch die Gefahr, mit den Instanzen in Konflikt zu geraten, die die Kontrolle über den gesellschaftlichen Prozess eben für sich beanspruchen (vgl. Holzkamp 1985 b, 16 ff). Der Verzicht auf die Perspektive einer verallgemeinerten Handlungsfähigkeit bedeutet aber Verhältnisse »mitzumachen«, die gerade dadurch als herrschende Verhältnisse gestärkt werden. Und dies nicht nur zum eigenen, sondern auch der Anderen Schaden, denn es werden Verhältnisse gestärkt, die so, wie für einen selbst, auch für andere Menschen in ähnlichen gesellschaftlichen Lagen schädlich sein können. Der Versuch, sich allein zu retten, bedeutet zugleich den Verzicht auf mögliche Partner_innen einer gemeinsamen Veränderung und Überwindung restriktiver Bedingungen. Anstelle der gemeinsamen Verfügung und Transformation der Lebensbedingungen treten Versuche, sich defensiv gegenüber den Anderen abzusichern bzw. die Anderen zur eigenen Sicherheit unter Kontrolle zu halten (ebd., 17). Im Versuch, das Leben zu bewältigen und Bedrohungen abzuwehren, können so gleichzeitig und »in widersprüchlicher Weise […] die eigenen, verallgemeinerbaren Lebensinteressen verletzt werden« (Holzkamp 1990, 38). Nun muss »als ›selbstevident‹« angenommen werden, so Holzkamp, »dass niemand bewusst seinen eigenen Interessen zuwider handelt, oder – in anderer Wendung – dass niemand sich bewusst selbst schadet« (1987, 26). M. a. W., wenn das eigene Verhalten für die eigenen Interessen funktional sein soll, müssen Verletzungen der eigenen Lebensinteressen so erklärt werden können, dass sie für den Handelnden eben nicht als Verletzung bzw. Schädigung der eigenen Interessen erscheinen. Die Konsequenzen der restriktiv begründeten Handlungsfähigkeit müssen also ggf. persönlich geringgeschätzt, umgedeutet, verleugnet, verdrängt usw. werden. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, unter welchen Voraussetzungen das Individuum ungeschönt die gesellschaftliche Wirklichkeit eigenen Handelns zur Kenntnis nehmen bzw. zur Sprache bringen kann. Es ist dies die Frage nach dem Verhältnis zwischen Erkenntnis und Handlungsmöglichkeiten: Abwehr aller Erkenntnisse, die zu einem Handeln führen würden mit Folgen, denen man sich nicht gewachsen sieht. Aus der hier skizzierten Perspektive entwickelt Holzkamp die kritisch-psychologische Fassung des »Unbewussten«, der »Abwehrmechanismen«, »Verdrängung« usw. (1983 a, 379 ff, vgl. 1984 a, 29 ff, 1985 b, 17 f; ebenso Markard 2001, 1179 f) auf Grundlage der Arbeiten von Ute H.-Osterkamp, in denen sie psychoanalytische Begriffe Sigmund Freuds reinterpretiert.28

Begriff der »subjektiven Handlungsgründe« und Begründungsdiskurs

Die Entwicklung einer Psychologie vom Subjektstandpunkt, bei der es darum geht, sich der Gesellschaftlichkeit des eigenen Handelns bewusst zu werden, erfordert, wie Holzkamp betont, die Ergänzung des gesellschaftstheoretischen Konzepts der »objektiven Lebensbedingungen« durch ein diesem auf gleicher Allgemeinheitsebene zugeordnetes individualwissenschaftliches Konzept der »subjektiven Handlungsgründe« (1984 a, 35 ff). Menschliche Handlungen/Befindlichkeiten sind weder unmittelbar-äußerlich »bedingt«, noch sind sie Resultat bloß subjektiver Bedeutungskonstruktionen o. ä., sondern sie sind in den Lebensbedingungen »begründet« (s. etwa Holzkamp 1996 a, 118 ff). Der »Begründungsdiskurs« sei somit die einzig adäquate psychologische Wissenschaftssprache (ebd.; s. ebenso Holzkamp 1991 b). Die Anerkennung der Subjektivität anderer bedeutet, die Begründetheit deren Handelns anzuerkennen: Menschen haben »Gründe« auf einer bestimmter Weise zu handeln. Solche »Gründe« sind aber immer »erster Person« und können also nur in Verständigung mit den jeweils Handelnden gefasst werden (s. etwa Holzkamp 1995 b, 26). Folgend impliziert die Anerkennung des Begründungsdiskurses als Medium subjektwissenschaftlicher Forschung, so Holzkamp, ein prinzipiell verändertes Verhältnis zwischen den an der Forschung teilnehmenden Menschen: Weg vom traditionellen unidirektionalen Verhältnis von Forschenden und Erforschten, hin zu einem wechselseitigen Verhältnis zwischen (Mit-)Forschenden.29 Vereinfacht gesagt geht es darum, zwischen allen am Forschungsprozess Beteiligten ein möglichst gleichberechtigtes Verhältnis herzustellen, das es ermöglicht, die – potenziell – restriktive Begründetheit der Lebensbewältigung der Beteiligten bzw. demgegenüber verallgemeinerbare Perspektiven der Veränderung herauszuarbeiten.

Eine Lerntheorie vom Standpunkt des Lernsubjekts

Die letzte Monographie Holzkamps ist Lernen. Subjektwissenschaftliche Grundlegung aus dem Jahr 1993. Ausgehend von der in Grundlegung der Psychologie (1983 a) präzisierten subjektwissenschaftlichen Begrifflichkeit, stellt Holzkamp das Verständnis von Lernen als äußerlich auferlegt und kontrolliert in Frage, das durchgehend auch psychologische Lerntheorien bestimme (1993, 13 f). Demgegenüber schlägt er vor, das Lehr-Lern-Verhältnis »als Spezialfall fremdgesetzter Lernbedingungen« statt »als wesentliche Bestimmung des Lernprozesses« (1996 a, 122) zu begreifen, wenn an der »Entwicklung einer Lerntheorie vom Standpunkt des Lernsubjekts, also ohne konzeptionelle Vermengung mit außengesetzten Lehraktivitäten« (ebd., 116), gearbeitet wird. Als erstes versucht Holzkamp begreifbar zu machen, was Lernen vom Standpunkt des Subjekts möglich bzw. notwendig machen kann. Gefragt wird nach den Bedingungen bzw. Prämissen, unter denen das Lernen für das Subjekt nur »defensiv«, quasi als erzwungenes Lernen begründet werden kann, oder umgekehrt »expansiv« in Richtung Erweiterung der eigenen Verfügung über individuell relevante Lebensbedingungen erlebbar wird (1993, 175 ff). In diesem ersten Schritt untersucht Holzkamp die subjektiven Entstehungsbedingungen von »Lernproblematiken« sowie die subjektiv defensive oder expansive Begründung des Lernens »ohne Kontamination von Lernen und (schulischem) Lehren« (ebd., 342). Dies einmal entwickelt, wendet er sich im nächsten Schritt der Schule als gesellschaftlich spezifischem Ensemble von Lern-Ermöglichung und -Behinderung zu (Holzkamp 1993, Kap. 4, 338 ff). Dabei rekurriert er zur Analyse schulischer Institutionen auf Untersuchungen zur (Entstehung der) Schuldisziplin in Michael Foucaults Werk Überwachen und Strafen (1977). Foucaults Konzept der »Disziplinaranlagen«, erklärt Holzkamp, arbeite »bestimmte Mechanismen heraus, mit denen der Widerspruch zwischen formellen bürgerlichen Freiheiten und Klassenantagonismus verschleiert wird« (Holzkamp 1996 a, 128). Über diesen Rekurs analysiert Holzkamp Verhältnisse wie z. B. der schulischen Rangbildung, Notengebung, Produktion von Leistungsnormalverteilungen, Zeitökonomie und Überwachung (1992; 1993, 349 ff; 1996 a, 127).

Letzte, postum publizierte Arbeiten Holzkamps: Die Vorstudien zu »Lebensführung«

Das letzte von Holzkamp aufgenommene Projekt ist der »Lebensführung« gewidmet. Vorhanden sind dazu zwei fragmentarische Vorstudien, 1995-96 postum publiziert. In ihnen knüpft Holzkamp am soziologischen Lebensführungs-Begriff an, der auf Max Weber zurückgeht. Speziell bezieht er sich auf das Forschungsprojekt Flexibilisierte Arbeitsverhältnisse und die Organisation der individuellen Lebensführung der Universität München (Holzkamp 1995 a, 820). In diesem Projekt erkennt Holzkamp den Versuch, den Systemcharakter alltäglicher Lebensführung und Routinisierung des Alltags zu erfassen, ohne dabei die aktive Leistung des Individuums zu leugnen (ebd., 821). Fokussiert wird die Art, in der – innerhalb postfordistisch-kapitalistischer Lebensverhältnisse – das Individuum mit Anforderungen aus verschiedenen alltäglichen Lebensbereichen umgeht, dabei »ökonomisch« Prioritäten setzt, Kompromisse schließt, Widersprüche neutralisiert usw. (ebd., 822). Allerdings, so Holzkamp, verstehen die Autor_innen dieses soziologischen Lebensführungs-Projekts ihre Arbeit einzig als Beitrag zu einer »empirischen Sozialstrukturanalyse« (ebd., 831). Holzkamp schlägt nun vor, die Frage der »alltäglichen Lebensführung« in einer »Psychologie vom verallgemeinerten Subjektstandpunkt« bzw. »im Begründungsdiskurs« zu entwickeln. Als »zentrale Intention subjektwissenschaftlichen Erkenntnisinteresses« gelte hierbei der »(von Marx geprägte) Begriff der ›Selbstverständigung‹« (ebd., 834).30 Die zu beantwortende Frage lautet, wie angesichts der in verschiedenen Lebensbereichen gemachten widersprüchlichen Erfahrungen und angesichts der unterschiedlichen Möglichkeiten, sie zu deuten, Handlungsfähigkeit erreicht werden kann. Es wird nach der Weise gefragt, in der die eigenen Handlungs- und Lebensmöglichkeiten so entwickelt und erweitert werden können, dass eine bewusste Verfügung über die individuell relevanten Lebensbedingungen möglich wird. Die dafür von Holzkamp anvisierte Perspektive besteht darin, im Prozess der (gemeinsamen) Selbstverständigung die »naheliegenden« Arrangements der Lebensführung i. S. einer »Unmittelbarkeitsüberschreitung« so zu durchdringen, dass ihr Zusammenhang zu umfassenderen, mit »realen Macht- und Interessenkonflikten« vermittelten Strukturen, Denk- und Beziehungsformen begreiflich wird (Holzkamp 1995 a, 835; vgl. ebenso Adolphi & Wille 2012). Dort, wo die Verfügungserweiterung eine Veränderung gesellschaftlicher Verhältnisse voraussetzt, geht es schließlich um die Frage nach dem Zusammenhang zwischen den Veränderungen, die das Individuum (ggf. zusammen mit anderen) gegen die aktuell herrschenden Verhältnisse durchsetzen müsste, und den ggf. dazu nötigen Veränderungen seiner eigenen Lebensführung (Adolphi & Wille 2012, 757).

Projekte und Arbeitsgruppen

Über die Jahre hinweg nahm Holzkamp an diverse Forschungsprojekte und Arbeitsgruppen teil; in chronologischer Reihenfolge finden sich unter den wichtigsten:

  • das mit der formalen Unterstützung Holzkamps 1969 studentisch-autonom geführte Projekt »Schülerladen Rote Freiheit«, mit Holzkamps Unterschrift als Verantwortlichem (als Vorbedingung für die Umsetzung im universitären Institutionsrahmen; vgl. etwa Autorenkollektiv 1971 sowie das Spiegel-Interview mit Holzkamp 1970 c);31
  • das von Holzkamp initiierte und mit andere Kolleg_innen von 1978 bis 1983 gemeinsam geführte Projekt Subjektentwicklung in der frühen Kindheit (vgl. etwa 1985), bei dem u. a. die Weisen analysiert wurden, in denen Kinder und Erwachsene in der Familie interaktiv Handlungsmöglichkeiten schaffen und aber sich ebenso selbst und gegenseitig Schranken setzen (Holzkamp 1984 c, 6 f);
  • die Theorie-Praxis-Konferenzen, die Klaus Holzkamp zusammen mit der Redaktion der Zeitschrift Forum Kritische Psychologie und außeruniversitären Praktiker_innen 1983 mit dem Ziel ins Leben gerufen hatte, gemeinsam die Widersprüche praktisch-psychologischer Tätigkeit zu analysieren und durch solche Analysen neue Handlungsperspektiven und -Möglichkeiten herauszuarbeiten (vgl. etwa Dreier 1983, Markard & Holzkamp 1989; das Konzept wurde variiert bis in die Gegenwart weiter angewandt, vgl. etwa Erckmann, Kalpein & Zander 2013);
  • das von Holzkamp 1993 initiierte Projekt Subjektwissenschaftliche Lernforschung, das v. a. auf die im Buch Lernen. Subjektwissenschaftliche Grundlegung zusammengefassten Ergebnisse als Grundlage für eine aktual-empirische subjektwissenschaftliche Erforschung des Lernens Bezug nahm (vgl. etwa Holzkamp 1996 c; s. auch 1996 a/2015, 130);32 und schließlich
  • Holzkamps Teilnahme – in den 1990er Jahren – an dem von Ute Osterkamp geleiteten Projekt Rassismus und Diskriminierung (1984-1995), das die subjektiven Konfliktstrukturen in Flüchtlingswohnheimen des DRK untersuchte (vgl. Osterkamp 1996, s. etwa auch Holzkamp 1995 b, 23 ff, wo er sich auf ein subjektwissenschaftliches Rassismus-Konzept bezieht, das in diesem Projekt ausgearbeitet wurde).

Bezüge und Rezeptionen

Die kollektive Arbeit an der Entwicklung der Kritischen Psychologie beschränkte sich nicht nur auf Berlin. Diskussion, Austausch und Zusammenarbeit fanden von vornherein mit Akteur_innen anderer Bundesländer bzw. international statt. Unter den Akteuren, auf die sich Klaus Holzkamp auf internationaler Ebene bezog bzw. mit denen er in eine produktive Debatte und in manchen Fällen auch Zusammenarbeit trat, zählen u. a. Alexei N. Leontjew (SU), Lucien Sève (Frankreich), Charles W. Tolman (Kanada), Ole Dreier (Dänemark) und Jean Lave (USA).

Beziehung zu Alexei N. Leontjew

Holzkamps erstmaliges Studium des Werks von Leontjew gehört in die durch Krise, Umbruch und Suche gekennzeichnete Zeit der aufkommenden 1968er Studentenbewegung und der Infragestellung der hegemonialen Psychologie.33 Insbesondere das Kapitel »Über das historische Herangehen an die Untersuchung der menschlichen Psyche« in Leontjews Werk Probleme der Entwicklung des Psychischen (1968/1973) war bei der Erörterung einer »Kritischen Psychologie« von entscheidender Bedeutung. Die Bekanntschaft mit diesem Werk, so Holzkamp, bewirkte ein »prinzipielles Umdenken« (1979 a, 138). Durch Leontjew wurde die Möglichkeit sichtbar, an der von Marx v. a. in Das Kapital ausgearbeiteten »genetischen« Herangehensweise anzuknüpfen, um eine gegenstandsbezogene Analyse in der Psychologie zu entwickeln (s. z. B. 1984 b, III),34 sprich: den historischen bzw. genetisch-rekonstruktiven Ansatz von Marx »nicht mehr nur auf bürgerliche Psychologie, sondern auch auf die von der bürgerlichen Psychologie behandelten Gegenstände« anzuwenden (1973 a, 46 f). 1973 geben Klaus Holzkamp und Volker Schurig Leontjews Probleme der Entwicklung des Psychischen heraus. In der dazu von ihnen geschriebenen Einführung heben sie die Konsequenzen hervor, die Leontjews Ansatz und Untersuchungen für eine marxistisch fundierte »kritische« Psychologie implizieren würden. Im selben Jahr kommt die erste »kritisch-psychologische« Monographie Holzkamps heraus, Sinnliche Erkenntnis, bei der die Zentralität des historischen bzw. genetisch-rekonstruktiven Ansatzes bereits im Untertitel sichtbar ist: »Historischer Ursprung und gesellschaftliche Funktion der Wahrnehmung«. Auch alle weiteren Untersuchungen zur Bestimmung der psychologischen Kategorien35 beziehen sich explizit auf Leontjews Ansatz; das wichtigste Werk Holzkamps, Grundlegung der Psychologie (1983 a), trägt die Widmung »A. N. Leontjew zum Gedenken«. 1975 bespricht A. N. Leontjew, zusammen mit seinem Sohn, dem Linguisten A. A. Leontjew, Holzkamps Sinnliche Erkenntnis (Leontjew & Leontjew 1975, dt. 1977). Diese Arbeit Holzkamps sei eine »unbestreitbar außergewöhnliche Erscheinung in der westlichen psychologischen Literatur«, bei der aktuelle »theoretische Probleme […] mit aller Schärfe formuliert werden« (1977, 11). Hervorgehoben werden u. a. Holzkamps Analysen zur Sprache, die »nicht nur von großem Interesse für […] Philosophen und Psychologen« seien, »sondern auch für […] Linguisten« (ebd., 9). Mängel dieses Werks sind für Leontjew z. B. die komplizierte »Verwendung von Termini« und ein »äußerst schwieriger Stil der Darstellung« (ebd., 12; vgl. Vollmer 2021, 151), doch seien diese gegenüber dem aktiven Einsatz Holzkamps »für die materialistische Psychologie« zweitrangig. Durch Leontjews Tod 1979 kommen geplante gemeinsame Arbeitsvorhaben nicht mehr zur Verwirklichung (Holzkamp 1979 b, 147).

Beziehung zu Lucien Sève

Als Holzkamp Lucien Sèves Buch Marxismus und Theorie der Persönlichkeit (1969, dt. 1972) rezipierte, war das Manuskript der Sinnlichen Erkenntnis bereits im Druck. Die Relevanz dieses Werkes schien für Holzkamp so groß, dass er noch eine Fußnote einfügte, in der er darauf hinwies: eine kritische Verarbeitung von Sèves Buch sei »Wesentlich für eine weitere Klärung und Präzisierung des kritisch-psychologischen Grundsatzes« (Holzkamp 1973 a, 48, Fn. 10). Die Hauptargumentation Sèves liege »in vieler Hinsicht auf der Linie unserer Gedankenführung« (ebd.). Innerhalb des kooperativen Arbeitszusammenhangs der Kritischen Psychologie wurden zentrale Auffassungen von Lucien Sève in Ute H.-Osterkamps Untersuchungen zur Motivation (1975-76) aufgenommen. Sèves Buch wird dort als »eines der wichtigsten psychologischen Werke dieses Jahrhunderts« (H.-Osterkamp 1975, 327) bezeichnet. Diskutiert und aufgenommen wird v. a. der an Marx angelehnte Begriff der gesellschaftlichen bzw. historischen »Individualitätsformen« (Sève 1969/1972, 261 ff; ebenso 2004),36 verstanden als »Vermittlungsinstanz« zwischen gesellschaftlichen und individuellen Lebensnotwendigkeiten unter arbeitsteiligen Produktionsverhältnissen (vgl. H.-Osterkamp 1975, 317 ff). Mit diesem von Holzkamp später dem subjektwissenschaftlichen Kontext adaptierten Begriff soll dem Umstand Rechnung getragen werden, dass innerhalb einer arbeitsteiligen Gesellschaft das Individuum in kein direktes Verhältnis zur Gesellschaft als Ganzer tritt. Vielmehr finden die Individuen historisch fertige (sich wandelnde) Formen innerhalb einer arbeitsteiligen Struktur vor (vgl. Holzkamp 1983 a, 196 f). Je nach Position des Individuums innerhalb des arbeitsteiligen Gesamts, sind spezifische Anforderungsstrukturen gegeben, aus denen sich ergibt, durch welche gesellschaftlich notwendigen Beiträge es Handlungsfähigkeit erlangen kann und wie darin z. B. die Widersprüchlichkeiten bzw. die Alternative »restriktive/verallgemeinerte Handlungsfähigkeit« konkret für das Individuum in Erscheinung treten (vgl. etwa Holzkamp 1990, 36 ff, 40 ff). In Grundlegung der Psychologie führt Holzkamp schließlich den Begriff der »Position« ein, der »die frühere Adaptation des Sèveschen Konzeptes der ›lndividualitätsform‹ durch die Kritische Psychologie ablösen« soll (1983 a, 197, Fn. 1). Der Begriff »Position« wird von Holzkamp durch den umfassenderen der »Lebenslage« ergänzt. Dieser schließt die »Position« ein, aber umfasst viele andere Lebensbereiche, »die zwar von den Positionen und ihrer personalen Realisierung abhängen, aber nicht darin aufgehen« (1983 a, 197): Partner- und Familienbeziehungen, persönliche Bekanntschaften und Freundschaften, Teilnahme an Gruppen formeller und informeller Art (etwa im eigenen Block, Stadtviertel, in Clubs, Parteien) etc. (vgl. Markard 2009 a, 150). Der Begriff »Lebenslage« fokussiert die »gegenständlich-sozialen Verhältnisse vom realen Standort des Individuums aus, also soweit und in der Weise, wie es damit tatsächlich in Kontakt kommt« (Holzkamp 1983 a, 197). Sève selbst zählte sich zu denen, »die sich bewusst sind, dass sie von der Kritischen Psychologie viel gelernt haben und die ihre Ansichten nach wie vor an denen messen«, die Holzkamps »großes Buch Grundlegung der Psychologie im Zusammenhang dargestellt hat« (Sève 1995, 879). Holzkamps o. g. Ablösung des »Konzeptes der ›lndividualitätsform‹ durch die Kritische Psychologie« führt Sève allerdings auf »ein schwerwiegendes Missverständnis« (ebd., 880) zurück. Er selbst »glaube noch immer, dass diese Idee, nach der alle grundlegenden gesellschaftlichen Verhältnisse […] ebensoviele objektiv geschichtliche Logiken sind, in denen sich die Tätigkeiten, die Verwendungen der Zeit, die Biographien der Individuen verfangen, mit den Grundannahmen der Kritischen Psychologie nicht nur alles andere als unvereinbar ist, sondern eine für sie notwendige Dimension bildet« (ebd.). Nach Holzkamps Tod 1995 bedauert Sève, dass sich nicht die Gelegenheit für »einen Dialog sowohl über unsere zahlreichen gemeinsamen Ansichten wie über die unterschiedlichen Ansätze« gefunden hatte (ebd., 879 f).

Beziehung zu Charles W. Tolman

Charles W. Tolman und Klaus Holzkamps Arbeitskreis traten zum ersten Mal im Wintersemester 1970-71 an der Universität Heidelberg in Kontakt, als Holzkamp dort einen Vortrag hielt. Der sonst in Kanada an der University of Victoria unterrichtende Tolman war zu dieser Zeit Gast am Heidelberger Psychologischen Institut (vgl. Jung 2000, 85). Holzkamp arbeitete gerade an den Studien, die 1972 im Buch Kritische Psychologie. Vorbereitende Arbeiten publiziert wurden. Tolman rezipiert diese und spätere Schriften Holzkamps und seines Arbeitskreises. Er trat in einen kooperativen Austausch mit dem Berliner Kreis – u. a. mit Wolfgang Maiers, mit dem er ab 1985 an der Übersetzung einer Reihe kritisch-psychologischer Texte von Klaus Holzkamp und anderer Autor_innen arbeitete, die 1991 unter dem Titel Critical Psychology: Contributions to an Historical Science of the Subject herausgegeben wurden. 1994 publizierte Tolman Psychology, Society, and Subjectivity: An Introduction to German Critical Psychology, wo die Bezüge auf Holzkamps Werk und Ansatz das Rückgrat der Darstellung bilden. Durch seine Lehrtätigkeit und Werke wie diese gilt Tolman als einer der wichtigsten Repräsentanten der Subjektwissenschaft in der Tradition Holzkamps im englischsprachigen Raum.

Beziehung zu Ole Dreier

Ole Dreier ist einer der Hauptvertreter des dänischen Zweiges der Kritischen Psychologie in der Tradition Holzkamps (vgl. Dreier & Recke 2020). Während seines Psychologie-Studiums in Kopenhagen rezipierte er Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre Leontjews Buch Probleme der Entwicklung des Psychischen in der deutschen Fassung und darin die Einleitung von Holzkamp und Schurig. Er studierte auch die ersten kritisch-psychologischen Texte von Holzkamp, Schurig und Osterkamp (ebd.). Nach seiner Promotion 1977 trat er in Kontakt mit dem Berliner Kreis der Kritischen Psychologie und wurde Teil des Arbeitszusammenhangs. Als Dozent an der Kopenhagener Universität organisiert er die internationale Kooperation und den Austausch mit Berlin. Seine Doktorarbeit erschien 1980 auf Deutsch mit einem Vorwort von Klaus Holzkamp, und er übersetzte selbst Texte von Holzkamp, Osterkamp, Schurig, W.F.Haug und F.Haug ins Dänische (ebd.). Als Dozent und Forscher setzt er an den von Holzkamp und der Kritischen Psychologie entwickelten analytischen Kategorien an und widmet sich vor allem Fragen der Lebensführung37 und subjektwissenschaftlicher Psychoterapie und Intervention im Alltag (vgl. Dreier, CV).

Beziehung zu Jean Lave

Holzkamp nahm Bezug auf die Arbeiten der kalifornischen Forschungsgruppe um die Sozialanthropologin Jean Lave bei den Untersuchungen, die in sein Werk »Lernen« (1993) mündeten. Er übernahm manche ihrer Begriffe, wie etwa »situated actions« bzw. »situated learning« (ebd., 253 passim). Laves Ansatz des partizipativen Lernens bzw. der »legitimate peripheral participation« stellt nach Holzkamp »in gewisser Weise« eine Konkretisierung der kritisch-psychologischen »Konzeption der Überwindung defensiven Bewältigungslernens durch expansiv-sachorientiertes Lernen« dar (1991 a, 19). Als Holzkamp 1992 zusammen mit Kolleg_innen des kritisch-psychologischen Arbeitskreises das Projekt Subjektwissenschaftliche Lernforschung (vgl. 1996 c) gründete, initiierten sie einen Austausch mit Laves Arbeitsgruppe. So hospitierten u. a. Projektteilnehmer_innen in der kalifornischen farm school von Mike Butler, in der das Lehren und Lernen der Mathematik nach Laves Ansatz praktiziert wurde (vgl. Holzkamp 1995/1996). Ein wichtiger Vermittler war Ole Dreier, der Jean Lave zuerst besuchte und mit ihr eine mehrjährige Forschungszusammenarbeit einging (vgl. Dreier, CV: Research collaboration). In der Folge bezog sich auch Jean Lave in ihren Arbeiten auf Ansichten und Ansätze der Kritischen Psychologie Holzkamps und trug auf dieser Weise zu seiner Rezeption in den USA bei.38

Gegenwart von Holzkamps Ansatz an Universitäten

Verlust des institutionellen Zentrums der Berliner Kritischen Psychologie

1994 wurden die seit 1970 separat funktionierenden Psychologie-Institute39 an der Freien Universität Berlin zusammengelegt (vgl. Schlüpmann et al., o. J.). Die Zusammenlegung erfolgte in der politisch neoliberal veränderten Situation der »deutschen Wiedereinigung« nach 1989. Das lange Zeit als »Holzkamp-Institut« bekannte Psychologische Institut wurde praktisch abgewickelt. In der neuen geschichtlichen Situation hatten die Mainstream-Positionen die Oberhand (s. Fink 1993; vgl. die Analyse von Fried et al. 1995). Klaus Holzkamps Professur wurde nach dessen Tod 1995 nicht wieder besetzt. Wie alle anderen Berliner Universitäten, war auch die Freie Universität und mit ihr der Fachbereich Psychologie in den folgenden Jahren wiederholt von Mittelkürzungen und Streichung von Lehrstellen betroffen (vgl. Baldauf et al. 2008, 101 ff). Auch Universitätsstreiks konnten daran nichts ändern. Der politische Wille, die Kritische Psychologie gegen den Sparzwang zu verteidigen, war zwar bei einem großen Teil der Studierenden, nicht aber bei den Entscheidungsträgern vorhanden, die hier wie auch an anderen Fachbereichen und Universitäten die Gelegenheit nutzten, den neoliberalen Umbau der Hochschule voranzutreiben (vgl. Pichert 2000). In vielen Fällen gingen Inhalte und Lehrformate mit der Emeritierung bzw. nach dem Ausscheiden kritisch-psychologischer (oder überhaupt gegenüber dem Mainstream skeptischer) Dozent_innen verloren – die letzten von ihnen im ersten 2000er Jahrzehnt (vgl. Markard 2009 b). Alles in allem verlor die Berliner Kritische Psychologie ihr institutionelles Zentrum. Allerdings betraf der Prozess der Vereinheitlichung und Normalisierung der Psychologie an der Freien Universität überhaupt die für Deutschland einmalige Pluralität von Ansätzen, die den Studiengang im sogenannten »Holzkamp-Institut« ausgezeichnet hatte (Markard 2009 b). Inhaltlich setzte sich stattdessen der statistisch-experimentelle Mainstream der Psychologie durch, formal kombiniert mit einem stringent an vorgegebene Curricula gebundenen System permanenter Prüfungen (ebd.).40 Die Zeitschrift Der Spiegel kommentierte 2009: »Der letzte Professor« – gemeint war Morus Markard, seinerzeit einer der wichtigsten Mitarbeiter von Holzkamp – »geht in Pension, mit ihm sein Fach Kritische Psychologie – an der FU Berlin wird eine Bastion der 68er abgewickelt. Und niemand trauert, denn in der Wirtschaftskrise [2008/2009] steht den Studenten der Sinn nicht nach links« (Hasel 2009). Morus Markard seinerseits stellte fest: »Inwieweit die der Differenziertheit beruflicher Praxis und den Erkenntnisinteressen mancher Studierender entgegenstehende Vereinheitlichung der akademischen Psychologie sich längerfristig etablieren kann, ist durchaus offen: Wer hätte Anfang der 60er Jahre schon mit der [1968er] Studentenbewegung gerechnet?« (2009 b, 9)

Verankerung und Entwicklung der kritisk psykologi an den dänischen Universitäten

Im Gegensatz zu Deutschland, konnte sich in Dänemark die an Holzkamp angelehnte kritisk psykologi institutionell etablieren – und ist bis in die 2020er Jahre an verschiedenen Universitäten präsent.41 Nach Ole Dreier42 haben weitere Generationen an mehreren Universitäten unterrichtet, geforscht und die kritisk psykologi weiterentwickelt.43 Allerdings weisen auch Psychologie-Student_innen an der Universität Kopenhagen 2021 auf die beunruhigende Entwicklung einer »Vereinheitlichung ihres Fachs« hin (Sandorff 2021, vgl. auch Friis 2021). Die »Verengung des akademischen Spektrums« betreffe gerade »die Kritische Psychologie und die kulturhistorische Schule, die früher im Mittelpunkt der Sozial- und Entwicklungspsychologie an der Universität Kopenhagen standen« (La Cour 2021).

Entstehung eines Netzwerks aktiver kritischer Psycholog_innen

Anstelle eines institutionellen Zentrums ist mit der Zeit ein Netzwerk aktiver kritischer Psycholog_innen der ersten, zweiten und dritten Generation nach Holzkamp entstanden. Zentraler Träger der Kritischen Psychologie im Sinne Holzkamps sind seit dem zweiten Jahrzehnt der 2000er Jahre die in verschiedenen Hochschulen aus Deutschland, Österreich und Dänemark meist studentisch-autonom organisierten Studien- und Lesegruppen44 (u. a. zu Holzkamps Grundlegung der Psychologie) sowie die ebenso international zusammengesetzte Organisation der regelmäßigen Ferienuniversitäten Kritische Psychologie.45

Herausgabe von Holzkamps Werk in deutscher Sprache

Ein Großteil der kritischen Texte bzw. Artikel Holzkamps in deutscher Sprache wurde in der von ihm 1978 mitgegründeten Zeitschrift Forum Kritische Psychologie veröffentlicht (und werden dort teilweise wieder abgedruckt).$▼46 In den 1970er und 1980er Jahre wurden zwei größere Publikationsreihen herausgegeben –Texte zur Kritischen Psychologie (Campus-Verlag) mit über 20 Titeln und Studien zur kritischen Psychologie (Pahl-Rugenstein-Verlag) mit über 30 Titeln –, in denen viele thematische Kompilationen, aber ebenso Monographien von Holzkamp und anderen Autor_innen der Kritischen Psychologie in deutscher Sprache enthalten sind. Von 1997 bis 2021 haben Ute Osterkamp, Wolfgang Maiers und Frigga Haug im Berliner Institut für kritische Theorie die Klaus-Holzkamp-Werkausgabe im Argument-Verlag mit insgesamt sieben Bänden herausgegeben. Nicht enthalten in dieser Ausgabe sind Holzkamps Werk Grundlegung der Psychologie (1983 a) und Lernen: Subjektwissenschaftliche Grundlegung (1993), beide in Ausgaben vom Campus-Verlag zugänglich. Morus Markards Einführung in die Kritische Psychologie (2009 a), die 2020 die siebte Auflage erreichte (insg. 2800 Exemplare) und auch international rezensiert wurde (Doise 2012), rezipiert und kommentiert größtenteils Holzkamps kritisches Werk.

Übersetzungen von Holzkamps Werk

Die Übersetzungen von Holzkamps Schriften geben Einblick in die internationale Resonanz seines Werks. Zunächst sind die Übersetzungen ins Dänische, Holländische und Englische zu nennen, als einem Sprachraum, in den Holzkamps Werk relativ früh verbreitet wurde. Aus den Ländern des ehemalig sozialistischen Raums sind des Weiteren Holzkamp-Übersetzungen ins Serbische bekannt. Schließlich sind für spanischsprechende Leser_innen die Übersetzungen in romanische Sprachen interessant, ins Italienische, Portugiesische und eben ins Spanische. Zerstreut finden sich Übersetzungen in weitere Sprachen, wie etwa ins Finnische oder Japanische (s. Holzkamp 1978 bzw. 2014), die hier nicht dokumentiert werden.

Holzkamp-Übersetzungen ins Dänische und Holländische

Außer in den Ländern des deutschsprachigen Raums ist Holzkamps kritischer Ansatz am meisten in Dänemark verbreitet. Dies mag an der regionalen, aber v. a. an der sprachlichen Nähe liegen.47 Am aktivsten hat zur Verbreitung in dieser Region Ole Dreier beigetragen.48 Seine ersten Holzkamp-Übersetzungen wurden 1979 publiziert, weitere Übersetzungen folgten in den 1980er Jahren (s. etwa Holzkamp 1983 b). Auch andere aktiv an der Kritischen Psychologie arbeitende Autoren, wie etwa Morten Nissen (Aarhus University), haben einzelne Holzkamp-Texte ins Dänische übersetzt (s. etwa Holzkamp 1985 c). Auch in Holland war die Verbreitung von Holzkamps Kritik an der Bürgerlichen Psychologie durch die regionale und sprachliche Nähe sicherlich erleichtert.49 So gab es bereits 1975 ein studentisches Kollektiv aus Amsterdam, das sich »de Holzkampgroep« nannte und das Buch »Psychologie en marxisme. Een terreinverkenning« (Psychologie und Marxismus, eine Felderkundung) herausgab, eine Übersicht über Holzkamps kritisch-psychologischen Ansatz. Bald ausverkauft, wurde das Buch innerhalb von zwei Jahre neu aufgelegt. 1977 reisten der Holzkampgroep nahestehende Redakteure des Journal Psychologie & Maatschappij (Psychologie und Gesellschaft) nach Berlin, um Holzkamp zu treffen. Daraus entstand ein Interview, in dem Holzkamp das Projekt der Berliner Kritischen Psychologie sowie den Bezug auf Leontjew und die kulturhistorische Schule der SU darstellte (Brouwer & Verbij 1977). 1981 wurde die Übersicht aus dem Jahr 1977 überarbeitet, durch Aufnahme zwischenzeitlicher Entwicklungen in der Berliner Kritischen Psychologie aktualisiert und mit einem ins Niederländische übersetzten Vorwort von Klaus Holzkamp versehen (van den Dool & Verbij 1981). Seit dem genannten Interview von 1977 bezog man sich kontinuierlich im Journal Psychologie & Maatschappij (1977-2001) auf Holzkamp und andere Autor_innen der Berliner Kritischen Psychologie, während umgekehrt Beiträge aus niederländischen Kreisen ins Deutsche übersetzt und im Forum Kritische Psychologie publiziert wurden (s. etwa Meeus & Raaijmakers 1984).

Holzkamp-Übersetzungen ins Englische

Ins Englische wurden zuerst drei Texte von Holzkamp aus dem Jahr 1984 von Charles W. Tolman und Wolfgang Maiers50 übersetzt, die 1991 in der von ihnen herausgegebenen Kompilation Critical Psychology: Contributions to an Historical Science of the Subject erschienen. Später übersetzten Andrew Boreham und Ute Osterkamp zwölf Artikel von Klaus Holzkamp, die 2013 unter dem Titel Psychology from the Standpoint of the Subject: Selected Writings of Klaus Holzkamp erschienen.51 Eine Gruppe von Übersetzer_innen, geleitet von Manfred Renken, übersetzt derzeit (2022) Holzkamps Grundlegung der Psychologie (1983 a) und ebenso sein Buch Lernen. Subjetwissenschaftliche Grundlegung (1993) ins Englische.52

Holzkamp-Übersetzungen in Ländern aus dem sozialistischen Raum

Pläne zu Übersetzungen ins Russische – etwa 1977 im Rahmen eines Treffens zwischen Holzkamp und A. N. Leontjew gefasst – sind nicht dokumentiert. Anfang der 1980er Jahre soll, vermittelt über russische Kontakte, die Grundlegung der Psychologie zur Analyse an Übersetzer_innen in der SU weitergeleitet worden sein; laut Gisela Ulmann hätten die konsultierten Spezialisten den Text als zu schwer für die Übersetzung ins Russische bezeichnet (vgl. Vollmer 2021, 151). Allerdings sind in der zum sozialistischen Raum gehörenden DDR auch keine Bücher Holzkamps in deutscher Sprache publiziert worden, wenn auch Holzkamp »auf dortige Publikationszustimmung« hoffte (Markard 2012, 172). Aus dem sozialistischen Raum sind nur die Übersetzungen dreier Aufsätze Holzkamps ins Serbische bekannt, alle drei in der Zeitschrift Marksizam u Svetu (Marxismus in der Welt), im ersten Heft des Jahrgangs 1979 publiziert. Das Heft ist dem Thema Marksizam i psihologija (Marxismus und Psychologie) gewidmet;53 das editorische Vorwort ist von Slavoj Žižek (1979), der die inhaltliche Auswahl sowie Anordnung der Texte begründet. Enthalten sind drei Texte von Holzkamp aus den Jahren 1976-77 (Holzkamp 1979 c), in denen er den Ansatz der verbindlich überprüfbaren Ableitung des psychologischen Begriffssystems im Sinne der w. o. skizzierten historischen bzw. genetischen Rekonstruktion des psychologischen Gegenstandes54 vorstellt. Nach Žižek verdeutlicht sich darin die Art der Beziehung der Kritischen Psychologie zur traditionell-akademischen Psychologie:

»Die Kritische Psychologie ist vor allem in dem Sinne kritisch, dass sie die verschiedenen existierenden psychologischen Theorien nicht a limine ablehnt, sondern versucht, deren legitimen Geltungsbereich zu bestimmen«.55

Durch Holzkamps historische Rekonstruktion zeige sich »der bürgerliche Charakter der bestehenden Psychologie […] darin, dass sie ideologisch Forschungsresultate verallgemeinert«, die einzig aus »der Analyse eines bestimmten Ausschnitts« entsprungen sind (ebd.)56. Žižek unterstreicht, wie die Kritische Psychologie die (begrenzte) Triftigkeit und falsche Generalisierungen der existierenden psychologischen Theorien aufzeigen kann.57

Holzkamp-Übersetzungen ins Italienische, Portugiesische und Spanische

Zwei Jahre nachdem in Deutschland die »Vorbereitenden Arbeiten« von Holzkamp herauskamen, erschien 1974 das Buch auf Italienisch. Die Initiative der Übersetzung ging auf Dario Romano zurück, Direktor des Instituts für Psychologie an der Philosophischen Fakultät der Universität Mailand, der der dortigen 1968er Studentenbewegung nahestand. Das Buch soll Resonanz v. a. unter der jungen Generation von Psycholog_innen gefunden haben, die an den politischen Auseinandersetzungen im Italien der späten 60er Jahre aktiv teilgenommen hatten (Colucci & Montali 2013). 1983 erschienen in italienischer Übersetzung weitere Texte von Holzkamp in der von Guglielmo Bellelli herausgegebenen Zusammenstellung Ecologia ed economia: Per un’analisi storica della soggettività. 58 Verglichen mit der Rezeptions- und Übersetzungsgeschichte im germanischen bzw. angelsächsichen Sprachraum der 1970er und 80er Jahre, war in derselben Zeit die Rezeption im romanischen Sprachraum gering. Die genannten Übersetzungen ins Italienische und ihre Resonnanz sind eher eine Ausnahme. Ansonsten finden sich nur zerstreute Übersetzungen einzelner Artikel, meistens für Zeitschriften oder im Rahmen von Zusammenstellungen redigiert, bei denen die Kritische Psychologie nicht im Vordergrund steht. So erschien z. B. 1977 auf Portugiesisch ein Artikel von Holzkamp im Rahmen der von Hans-Georg Gadamer und Paul Vogler herausgegebenen Reihe »Neue Anthropologie«, die in die genannte Sprache übersetzt worden war.59 Die Tatsache, dass Holzkamps Werk in Frankreich ohne Übersetzung und wenig bekannt blieb, führte Lucien Sève auf eine auch anderen marxistischen Autoren gegenüber ablehnende Editionstradition zurück. So sei Wygotskis Werk Denken und Sprechen »fünfzig Jahre lang in Frankreich fast völlig unbekannt« geblieben, »bis 1985 eine Übersetzung dieses Meisterwerks […] veröffentlicht wurde« (Sève 1995). Dass Klaus Holzkamp und die Kritische Psychologie »in Frankreich heutzutage so kläglich verkannt sind«, so Sève, bestätige, »in welchem Maße sie einem Großteil der herrschenden Ideen unbequem sind« (ebd.). Solche Ablehnung mag andererseits auch mit den besonderen Schwierigkeiten in Verbindung stehen, die Holzkamps Sprach- bzw. Darstellungsform der Übersetzung in eine romanische Sprache bereiten kann (vgl. Vollmer 2021). Auf Spanisch sind ab den 2000er Jahren Übersetzungen von Einzelartikeln zu finden.60 2015 erschien eine größere spanischsprachige Zusammenstellung unter dem Titel Ciencia marxista del sujeto.61 Bei Seminaren zur Vorstellung und Lektüre dieser Kompilation assoziierten die Teilnehmer_innen – die bis dahin Holzkamp nicht kannten – die in den Texten diskutierten Fragen u. a. mit solchen der pedagogia da libertação von Paulo Freire, der psicología social de la liberación von Ignacio Martín-Baró und auch der (psychoanalytischen) psicología social von Enrique Pichon-Rivière (vgl. Vollmer 2021, 164). In Brasilien werden die Texte aus Ciencia marxista del sujeto auf Grundlage der spanischsprachigen Fassung ins Portugiesische übersetzt und erscheinen dort unter dem Titel Ciência marxista do sujeito in drei Bänden.62 Die Initiative zu diesen Übersetzungen geht auf die kritisch-psychologische Arbeitsgruppe um Raquel S. L. Guzzo (Pontifícia Universidade Católica de Campinas, Brasil) zurück.63 2022 erscheint bei Oveja Roja das Buch Aprender: Fundamentación sujeto-científica, die spanischsprachige Übersetzung von Holzkamps letzter Monographie Lernen. Subjektwissenschaftliche Grundlegung (1993).64 Die Zeitschrift Teoría y Crítica de la Psicología, die seit 2016 eine Sektion zu Klaus Holzkamp en español besitzt,65 brachte Anfang 2022 eine vollständig Holzkamp gewidmete Sonderausgabe heraus mit Texten von und über Klaus Holzkamp (Vol. 17), in der die neuerscheinende Übersetzung des Lernbuchs vorgestellt wird.66 Aktuell arbeitet Santiago Vollmer an der Übersetzung des wichtigsten Werks Holzkamps: Grundlegung der Psychologie (1983 a; zur Übers. vgl. Vollmer 2021).

Werke und Schriften (Auswahl)

Auf Deutsch

  • Schriften I: Normierung. Ausgrenzung. Widerstand. Enthält 18 Artikel aus den Jahren 1980-1995, in sechs Teile geordnet. Mit Beiträgen zu Kindheit, Erziehung, Lernen, Begabungsideologie, Rassismus und zum Theorie/Praxis-Bruch in der Psychologie. Hrsg. von Frigga Haug, Wolfgang Maiers und Ute Osterkamp. Berlin: Argument, 1998. ISBN 978-3-88619-397-4
  • Schriften II: Theorie und Experiment in der Psychologie. Eine grundlagenkritische Untersuchung. Habilitation. Erstauflage 1964, erste Neuausgabe 1981. Aus »konstruktivistischer« Perspektive verfasste Wissenschaftstheoretische Abhandlung, über deren Grenzen Holzkamp im Nachwort der Neuausgabe 1981 reflektiert.67 Hrsg. von Frigga Haug, Wolfgang Maiers und Ute Osterkamp. Berlin: Argument 2005. ISBN 978-3-88619-398-1
  • Schriften III: Wissenschaft als Handlung. Versuch einer neuen Grundlegung der Wissenschaftslehre. Erstauflage 1968. Aus »konstruktivistischer« Perspektive verfasste Abhandlung.68 Berlin: Argument, 2006. ISBN 978-3-88619-399-8
  • Schriften IV: Sinnliche Erkenntnis. Historischer Ursprung und gesellschaftliche Funktion der Wahrnehmung. Erste »kritisch-psychologische« Monographie Holzkamps.69 Hrsg. von Frigga Haug, Wolfgang Maiers und Ute Osterkamp. Berlin: Argument, 2006. ISBN 978-3-88619-405-6
  • Schriften V: Kontinuität und Bruch. Aufsätze 1970-1972. Die insgesamt fünf Aufsätze spiegeln die politischen Herausforderungen einer Zeit, die einen »krisenhaften Umbruch psychologischer Grundanschauungen ihres Autors« und die »Unterbrechung einer kontinuierlichen Entwicklung wissenschaftlicher Arbeit« (Holzkamp) bedeuteten.70 Hrsg. von Frigga Haug, Wolfgang Maiers und Ute Osterkamp. Berlin: Argument, 2009. ISBN 978-3-88619-406-3
  • Schriften VI: Kritische Psychologie als Subjektwissenschaft – Marxistische Begründung der Kritischen Psychologie. Vereint elf zwischen 1973 und 1977 veröffentlichte Texte aus der Entstehungsperiode der »Kritischen Psychologie«.71 Berlin: Argument, 2015. ISBN 978-3-88619-407-0
  • Schriften VII: Die gesellschaftliche Natur des Menschen – die natürliche Gesellschaftlichkeit des Individuums. Aufsätze 1977–1983. 20 Aufsätze, in denen u. a. die Notwendig eines Konzepts menschlicher Subjektivität begründet wird, das »den Zusammenhang zwischen Gesellschaftlichkeit und Subjektivität in Einklang zu bringen« (Holzkamp) versteht. Hrsg. von Frigga Haug, Wolfgang Maiers und Ute Osterkamp. Berlin: Argument, 2020. ISBN 978-3-86754-598-3
  • Grundlegung der Psychologie. Klaus Holzkamps Opus Magnum. »Das Buch eröffnet neue Möglichkeiten zur Verständigung über die Situation des Menschen in der bürgerlichen Gesellschaft und ist zugleich Grundlegung für eine psychologische Forschung und Praxis, die nicht mehr ›am Thema‹ der menschlichen (Inter-)Subjektivität vorbeigeht und gerade darin wissenschaftliche Objektivität erreichen kann.« (Aus dem Klappentext) Frankfurt M./ New York: Campus, 1983. ISBN 9783593335728
  • Lernen. Subjektwissenschaftliche Grundlegung. »Holzkamp untersucht […] den Prozess des Lernens aus der Perspektive des lernenden Subjekts und seiner Motive. Er unterstreicht die Bedeutung des Lernens als Erweiterung subjektiver Erfahrungs- und Lebensmöglichkeiten und grenzt dieses ›expansive Lernen‹ vom gängigen Verständnis des Lernens als eines von anderen auferlegten und kontrollierten Prozesses ab« (Aus dem Klappentext). Frankfurt M./ New York: Campus, 1993. ISBN 978-3-593-35317-3
  • Klaus Holzkamp – Texte aus dem Nachlass. Forum Kritische Psychologie 36. Enthält: Manuskripte zu »Lebensführung« (Fragmente), eine Konferenz zur Rezeption des Buchs »Lernen«, Entwürfe zum Projekt »Subjektwissenschaftliches Lernen«, ein Gutachten zur Dissertation von Renke Fahl-Spiewack sowie die Bibliographie der Arbeiten Holzkamps von 1956 bis 1995. Berlin: Argument, 1996. https://www.kritische-psychologie.de/1996/fkp-36 ISBN 9783886197743

Auf Englisch

  • Critical Psychology: Contributions to an Historical Science of the Subject. Hgg. von Charles W. Tolman und Wolfgang Maiers. Versammelt Texte der wichtigsten Autor_innen der Kritischen Psychologie, inklusive dreier Artikel von Holzkamp, in englischer Übersetzung, alle aus dem Jahr 1984: Societal and individual life processes (50-64), Experience of self and scientific objectivity (65-80), Psychoanalysis and Marxist psychology (81-102). Cambridge: Cambridge University Press, 1991. ISBN: 9780521393447
  • Psychology from the Standpoint of the Subject: Selected Writings of Klaus Holzkamp. Hgg. von Ute Osterkamp und Ernst Schraube, übersetzt von Andrew Boreham und Ute Osterkamp. Versammelt zwölf Aufsätze aus den Jahren 1985-1995 und ordnet sie in fünf Teile: I) Basic Concerns and Concepts of Subject Science Psychology, II) Functional Analyses of Psychological Concepts, III) De-subjectification of Learning in Psychological Theory and School, IV) Constructing Otherness, V) Conduct of Life. New York: Palgrave Macmillan, 2013. ISBN: 978-1-137-29643-6

Auf Spanisch

  • Ciencia marxista del sujeto. Una introducción a la Psicología Crítica. Hgg. und übersetzt von Santiago Vollmer. Vorwort von Morus Markard. Versammelt 16 Artikel von Klaus Holzkamp aus den Jahren 1984-1995 und ordnet sie in drei Teile: I) Los conceptos fundamentales de la ciencia del sujeto, II) La Psicología Crítica y el Psicoanálisis, y III) La educación, la enseñanza y el aprendizaje desde la perspectiva de la ciencia del sujeto. Madrid: La oveja roja, 2015. ISBN: 978-84-16227-10-5
  • Aprender: fundamentación sujeto-científica [spanischsprachige Übersetzung des Buchs Lernen. Subjektwissenschaftliche Grundlegung von Klaus Holzkamp, 1993]. Hgg. und übersetzt von Santiago Vollmer. Vorwort von Morus Markard. Madrid: La Oveja Roja. ISBN: 978-84-16227-47-1
  • Klaus Holzkamp en español. Teoría y Crítica de la Psicología, Núm. 8 (2016), Sección especial. Die »Spezialsektion« der Zeitschrift präsentiert drei Artikel aus dem Buch Ciencia marxista del sujeto (Holzkamp, 2015, Hgg. und übersetzt von S. Vollmer): Los conceptos básicos de la Psicología Crítica (Grundkonzepte der Kritischen Psychologie, 1984), La colonización de la infancia (Kolonisierung der Kindheit, 1994) und ¿La enseñanza como impedimento y dificultad del aprendizaje? (Lehren als Lernbehinderung? 1990). https://www.teocripsi.com/ojs/index.php/TCP/issue/view/9/showToc ISSN: 2116-3480
  • Holzkamp: la tradición berlinesa de la psicología crítica. Teoría y Crítica de la Psicología, Vol. 17 (2022). Número especial. Spezialausgabe, die zwei Unterkapitel des Buchs »Lernen« von Klaus Holzkamp in spanischsprachiger Übersetzung digital vorab veröffentlicht. Hinzugefügt werden drei weitere Artikel zum Thema Lernen aus dem Buch Ciencia marxista del sujeto (Holzkamp 2015, hgg. und übersetzt v. S. Vollmer). Artikel weiterer Autor_innen beleuchten Holzkamps Werk aus verschiedenen Perspektiven. https://www.teocripsi.com/ojs/index.php/TCP/issue/view/19/showToc ISSN: 2116-3480

Auf Spanisch publizierte Texte über Holzkamps Werk und Person (Auswahl)

  • Morus Markard (2015). Prólogo [Vorwort] zu Ciencia marxista del sujeto (Holzkamp 2015, hgg. und übers. von S. Vollmer). In kompakter Form wird Holzkamps Werdegang im Zusammenhang der Entwicklung der Kritischen Psychologie dargestellt. http://dhcm.inkrit.org/sobre-klaus-holzkamp
  • Morus Markard (2015). Psicología Crítica. Spanischsprachige Übersetzung des Artikels Kritische Psychologie aus dem Historisch-Kritischen Wörterbuch des Marxismus, Bd. 8/I, 167-186. Übersetz von Laura Sotelo und Santiago Vollmer. http://dhcm.inkrit.org/psicologia_critica https://www.inkrit.de/neuinkrit/mediadaten/es/es_pdf/DHCM-Psicologia-Critica.pdf
  • Reeling Brouwer & Morus Markard (2022). Capacidad de acción. Spanischsprachige Übersetzung des Artikels Handlungsfähigkeit aus dem Historisch-Kritischen Wörterbuch des Marxismus, Bd. 5, 1169-1174 (R. Reeling Brower, Teil I) und 1174-1181 (M. Markard, Teil II). Übersetzt von Santiago Vollmer. Auf Spanisch veröffentlicht in Teoría y Crítica de la Psicología, Vol. 17 (2022), 131-144. https://www.teocripsi.com/ojs/index.php/TCP/article/view/389

Presse-Artikel zu: Klaus Holzkamp, Schülerladen Rote Freiheit, Psychologisches Institut (Auswahl online verfügbarer Quellen)

Der Spiegel

taz. die tageszeitung

Weblinks

Auf Deutsch

Auf Englisch

Auf Spanisch

Verwendete Bibliographie

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Vollmer, S. (2021). Holzkamp übersetzen. In Forum Kritische Psychologie – Neue Folge 3, 148-170.

Westerman, A. J. & Krause, T. (2006): Deutsch in Dänemark – Dänisch in Deutschland. Schulen im Grenzland und ihr Verhältnis zum Nachbarsprachenunterricht. In Grenzfriedenshefte 4/2006. https://docplayer.org/47194893-Deutsch-in-daenemark-daenisch-in-deutschland.html

X-Y-Z

Žižek, S. (1979). Uvodna reč [Einleitendes Wort]. In Marksizam u Svetu 1: Marksizam i psihologija [Marxismus in der Welt 1: Marxismus und Psychologie]. Belgrad. https://teorijaizteretane.blogspot.com/2013/11/slavoj-zizek-uvodni-tekst-iz-temata.html


Anmerkungen

▲1 Siehe d. Eintrag zu Klaus Holzkamps Vater in Die Chemische Industrie Nr. 6, 11.2.1939, 134, »Neueintragungen« »Aus dem Zentralhandelsregister«: »Hermann Holzkamp, Fabrikation chemischer Produkte, Parfümerie, Kosmetik, Berlin …«.

▲2 S. die Liste Bekannte ehemalige Schüler im Wikipedia-Artikel zum genannten Internat: https://de.wikipedia.org/wiki/Internatsgymnasium_P%C3%A4dagogium_Bad_Sachsa#Bekannte_ehemalige_Sch%C3%BCler

▲3 S. den Wikipedia-Artikel zum Paulsen-Gymnasium unter https://de.wikipedia.org/wiki/Paulsen-Gymnasium ▲4 Nach Wolfgang Fritz Haugs Zeitzeugenbericht (2019, 9).

▲5 Nach Morus Markards Zeitzeugenbericht (2015, 11).

▲6 Zur westdeutschen Studentenbewegung der 1968er im Zusammenhang mit Holzkamps Werdegang vgl. Holzkamps diesbezügliche Reflexionen aus dem Jahre 1976 sowie das »Prefacio« von Morus Markard zu Ciencia marxista del sujeto (Holzkamp 2015).

▲7 Irmingard Staeuble (Jg. 1948) hatte später als kritische Psychologin – bis in die 2000er Jahre – die Professur im Arbeitsbereich Geschichte der Psychologie inne.

▲8 Als Beispiel für diese Rezeption sei die Editionsgeschichte des Textes »Zum Problem der Relevanz…« von Klaus Holzkamp genannt, der von den Student_innen verbreitet wurde, bevor er überhaupt offiziell in den Druck ging. Holzkamp hatte das Manuskript seines 1968 gehaltenen Vortrags kopiert und innerhalb einer Gruppe von Student_innen verteilt, um es mit ihnen zu diskutieren. Doch kursierte der Text »bald als ›Relevanz-Paper‹ unter den Psychologie-Studenten in der Bundesrepublik und kam — lange vor seiner Publikation im Jahre 1970 — zu beträchtlicher Popularität« (Holzkamp 1972 a, 232). 1970 druckten schließlich Student_innen den Text als Raubdruck zusammen mit Texten von Theodor W. Adorno, Herbert Marcuse, Wilhelm Reich u. a. unter dem Titel »kritische psychologie« als Material für das autonom organisierte »kritische Studium« der Studentenbewegung.

▲9 Gisela Ulmann (1941-2022), seit 1965 Lehrende am Psychologischen Institut der FU Berlin; s. u. … zur »Kritischen Psychologie«.

▲10 Ute Osterkamp (Jg. 1935), Arbeitsschwerpunkte (kritische) Emotionstheorie und Motivationspsychologie, wurde zu einer der zentralen Figuren der Kritischen Psychologie; s. u. … zur »Kritischen Psychologie«.

▲11 Die Bedeutung, die das Kapital-Studium in Holzkamps Werdegang einnimmt, wird von verschiedenen Autoren hervorgehoben, so z. B. im biographisch-überblickenden Vorwort von Morus Markard zu Ciencia marxista del sujeto (Holzkamp 2015, 11); ebenso in Wolfgang Fritz Haugs Artikel »Impulse…« (2019, 9, passim); schließlich auch in Santiago Vollmers Artikel »Holzkamp übersetzen« (2021, 149 f, 152).

▲12 Vgl. dazu Kritische Universität – Freie Studienorganisation der Studenten in den Berliner Hoch- und Fachschulen: Provisorisches Verzeichnis der Studienveranstaltungen im Wintersemester 1967/68.

▲13 Laut Berichterstattung in Der Spiegel (14.02.1971) monierte ein Teil des akademischen Personals, sie »seien […] ›psychischem Druck‹ ausgesetzt, müssten die ›Umfunktionierung‹ von Lehrveranstaltungen durch unbotmäßige Seminarteilnehmer beklagen und fühlten sogar die Verlängerung ihrer Verträge bedroht«, während Holzkamp solche Klagen eher auf die Angst der Akademiker zurückführte, »in der wissenschaftlichen Argumentation unterzugehen«.

▲14 Vgl. dazu das Holzkamp-Interview in der Zeitschrift Der Spiegel, 12.04.1970, sowie W. F. Haugs diesbezügliche Analyse Der sexuell-politische Skandal als Instrument antidemokratischer Kampagnen (1971); s. ebenso W. F. Haug 2019, 10 f und Markard 2015, 22 f.

▲15 Der Spiegel vom 14.02.1971 berichtet von einer »konservativen ›Notgemeinschaft für eine freie Universität‹«, die im Vorlauf der Teilung »einen dramatischen Lagebericht mit dem Titel ›Freie Universität unter Hammer und Sichel‹« veröffentlicht hatte, worin es hieß: »Am weitesten ist die rote Unterwanderung wohl im Psychologischen Institut fortgeschritten. Hier dürfte der Lehrbetrieb bereits weitgehend unter marxistischen Vorzeichen stehen.« Vgl. dazu auch das »Spiegel-Gespräch mit dem Berliner Wissenschaftssenator Professor Werner Stein«, der als Teil des Kuratoriums den Teilungsbeschluss »gegen den Willen Holzkamps wie gegen die Mehrheit der an diesem Institut arbeitenden Assistenten und Studenten« gefasst hatte (Der Spiegel 4, 17.01.1971). Das »konservative« Institut wurde Institut für Psychologie genannt, während der »linke« den Namen Psychologisches Institut beibehielt (vgl. Holzkamp 1972 a, 268).

▲16 »Holzkamp-Institut« war »eine von vielen […] nicht geschätzte, aber gebräuchliche Bezeichnung, die kennzeichnete, wie es von außen wahrgenommen wurde« (Mattes 1995, 91). Vgl. ebenso Leiser 1999, 679 f. (auf Spanisch).

▲17 S. o. Der Einzug der Studentenbewegung 1968 ins Psychologische Institut …

▲18 Bekanntmachung [Avis] der Psychologiestudenten von Nantes, Association générale des étudiants de Nantes/Union nationale des étudiants de France (AGEN-UNEF, 1968).

▲19 Siebenundzwanzig »Tübinger Thesen zur Psychologie«, vorgetragen von Student_innen auf dem 26. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychologie in Tübingen 1968 (Adorno, Holzkamp et al. 1970, 132-134).

▲20 »Resolution« und »Gegenresolution« auf dem Kongress kritischer und oppositioneller Psychologen am 16.5.1969 in Hannover (Adorno, Holzkamp et al. 1970, 166-171).

▲21 Die eben genannten Bekanntmachungen und Resolutionen werden ebenso von Holzkamp (1972 a, 224 ff) komplett oder passagenweise wiedergegeben.

▲22 Anspielung an Bertolt Brechts Begriff der »dritten Sache«; vgl. etwa das Stück »Die Mutter« und darin das »Lob der dritten Sache« (GW, Bd. 17, 878); s. ebenso Brechts »Me-ti/Buch der Wendungen« und darin »Die dritte Sache« (GW, in Bd. 12, 555) sowie »Lai-tus Fehler« (573).

▲23 S. u. Herausgabe von Holzkamps Werk in deutscher Sprache.

▲24 In ihrer Rezension von Sinnliche Erkenntnis stellen Leontjew & Leontjew eine »mangelnde Bezugnahme« Holzkamps zum von ihm bei der genetischen Rekonstruktion herangezogenen »empirischen Material« fest (1977, 12). W. F. Haug meint dagegen, die eigentlich »elektrisierende Entdeckung« bestehe »darin, dass diese Befunde sich wie von selbst in einen geschichtsmaterialistisch-dialektischen Zusammenhang fügen und dass dieser Zusammenhang wie gemacht ist für die gesuchte Kritische Psychologie« (2019, 14).

▲25 S. u. Ansatz einer Psychologie vom Subjektstandpunkt …

▲26 Holzkamp zitiert hier den Untertitel von Das Kapital: Kritik der politischen Ökonomie von Karl Marx (1867).

▲27 Zu den wichtigsten dabei aufgearbeiteten Werken zählen vor allem Holzkamps Sinnliche Erkenntnis (1973), Ute H.-Osterkamps Untersuchungen zu Motivation (1975-76) und Volker Schurigs Arbeiten zur Naturgeschichte des Psychischen (1975 a-b) sowie zur Entstehung des Bewusstseins (1976).

▲28 Ute H.-Osterkamp entwickelt solche Analysen im zweiten Teil ihrer Untersuchung zur Motivation (1976), insbesondere in den Kapiteln 5.3.4 »Grundzüge der positiven kritisch-psychologischen Konzeption über menschliche Konflikte, Angst, Abwehr und das Unbewusste« und 5.5 »Reinterpretation der Freudschen Konzeption des ‚Über-Ich‘ und der ‚Identifizierung‘ durch Ausbau des kritisch-psychologischen Konfliktmodells: Kindliche Vergesellschaftung als Verarbeitungs- und Abwehrprozess«.

▲29 Vgl. Holzkamp 1983, Unterkapitel »›Metasubjektiver‹ wissenschaftlicher Verständigungsrahmen zwischen Forscher und Betroffenen in deren Partizipation am Forschungsprozess«, 540 ff. Vgl. ebenso Markard 2012, 178.

▲30 Vgl. Karl Marx, Brief an Arnold Ruge, September 1843: »Wir können also die Tendenz unsers Blattes in ein Wort fassen: Selbstverständigung (kritische Philosophie) der Zeit über ihre Kämpfe und Wünsche.« (MEW 1, 346).

▲31 S. auch o. Die konservative Antwort auf die Umbrüche am Psychologischen Institut …

▲32 S. auch o. Eine Lerntheorie vom Standpunkt des Lernsubjekts, sowie unten Beziehung zu Jean Lave.

▲33 S. o. Der Einzug der Studentenbewegung 1968 ins Psychologische Institut …

▲34 S. o. Gegenstandsbezogene Analyse, genetisch-rekonstruktiver Ansatz.

▲35 S. o. Ansatz einer Psychologie vom Subjektstandpunkt …

▲36 Die Anlehnung an Marx bezieht sich speziell auf einen Brief von Marx an Pawel Wassiljewitsch Annenkow (28. Dez. 1846), wo es heißt, die »materiellen Verhältnisse« seien »nichts anderes als die notwendigen Formen, in denen ihre materielle und individuelle Tätigkeit sich realisiert« (MEW 27, 453; vgl. Sève [1969] 1972, 266).

▲37 In spanischsprachiger Übersetzung etwa Dreier 2016 und 2017.

▲38 Vgl. dazu den (englischsprachigen) Artikel zur nordamerikanischen Holzkamp-Rezeption vom Herausgeber der Zeitschrift Mind, Culture, and Activity, Wolff-Michael Roth (2008).

▲39 S. o. Die konservative Antwort auf die Umbrüche am Psychologischen Institut …

▲40 Zeitlich koinzidiert die letzte Phase dieser Vereinheitlichung und Normalisierung mit der Ersetzung des alten Diplomstudiengangs durch einen neuen Bachelor-Master-Studiengang Psychologie, umgesetzt im Wintersemester 2007/08 im Rahmen des Bologna-Prozesses. Das neue Format führte ein System permanenter Prüfungen ein und wurde stringenter an vorgegebene Curricula gebunden. Die zuvor von der Studentenbewegung erkämpften Möglichkeiten kritischen Studiums, der Auseinandersetzung mit Ansätzen und mit kritischen Fragen wie der nach der Weise der Wissensproduktion, ihrer Geschichte, gesellschaftlichen Funktionalität und Bedeutung für eine emanzipatorische Praxis, wurden weitgehend eliminiert. Vgl. Markard 2009 b, 8-9; vgl. ebenso Pichert 2000, 10.

▲41 An der Universität Aarhus z. B. Dorte Kousholt, Kristine Kousholt, Line Lerche Mørck, Morten Nissen und Klaus Nielsen. An der Universität Kopenhagen (wo Ole Dreier unterrichtete) z. B. Jens Kr. D. Gudiksen, Torben Bechmann Jensen und Pernille Hviid. An der Universität Roskilde z. B. Erik Axel, Peter Busch-Jensen, Niklas Chimirri, Charlotte Højholt, Pernille Juhl, Maja Røn-Larsen und Ernst Schraube. Schließlich an der Syddansk Universitet z. B. Anja Stanek, Lotte Huniche und Liselotte Ingholt. Vgl. den Wikipedia-Eintrag Kritisk psykologi (auf dänsich), unter https://da.wikipedia.org/wiki/Kritisk_psykologi.

▲42 S. o. Beziehung zu Ole Dreier, vgl. auch u. Holzkamp-Übersetzungen ins Dänische und Holländische.

▲43 Die Art des dänischen Bezugs auf Holzkamps kritisches Werk wird im Artikel Dialectical Approaches in Recent Danish Critical Psychology von Kousholt & Thomsen (2013) thematisiert, der ein Überblick über »neuere dänische Dissertationen« gibt, die eben auf der Kritischen Psychologie gründen (insg. zehn, geschrieben 2006-2009).

▲44 Unter https://www.kritische-psychologie.de/initiativen sind insgesamt 18 Initiativen dieser Art aufgezählt (Stand Juli 2022).

▲45 Vgl. https://www.kritische-psychologie.de/ferienuni sowie https://2021.ferienuni.de/english/

▲46 In der ersten Folge erschien die Zeitschrift jährlich in zwei Heften und erreichte 2017 das Heft 59. Ab 2018 erscheint die »Neue Folge« mit jährlich einem Heft, geführt durch eine erneuerte Redaktion. Das Forum Kritische Psychologie vereint Menschen aus verschiedenen Regionen und Berufen und bietet Raum für wissenschaftliche Diskussionen in und um die Kritische Psychologie. Vgl. die Selbstdarstellung unter https://www.kritische-psychologie.de/fkp/neue-folge.

▲47 In den meisten dänischen Schulen wird von Klasse 7 bis 9 Deutsch als zweite Fremdsprache angeboten. Eine zweite Fremdsprache ist – neben anderen Fächern – Voraussetzung für die gymnasiale Ausbildung und das Universitätsstudium. Vgl. Westerman & Krause, 2006, 254.

▲48 S. o. Beziehung zu Ole Dreier.

▲49 In Holland ist das Verhältnis zum Deutschen als zweiter Fremdsprache in der Schulausbildung dem genannten in Dänemark ähnlich. Vgl. Hämmerling 2014.

▲50 S. auch o. Beziehung zu Charles W. Tolman.

▲51 S. u. Werke und Schriften (Auswahl) / Auf Englisch.

▲52 Vgl. die Annonce der Übersetzungsgruppe unter https://www.kritische-psychologie.de/2022/kritische-psychologie-open-access

▲53 Die Ausgabe kompiliert bzw. ordnet in serbischer Übersetzung Artikel nach zwei Kriterien: Im ersten Teil werden Texte bzw. Autoren angeführt, die Probleme des historischen Materialismus unter Bezug auf die strukturale Psychoanalyse von Jaques Lacan behandeln; der zweite Teil versammelt Texte aus der »deutschen Kritischen Psychologie«.

▲54 S. o. Ausrichtung auf die wissenschaftliche Fundierung psychologischer Kategorien.

▲55 »… kritička psihologija je kritička, pre svega, u tom smislu što ne odbacuje a limine različite postojeće psihološke teorije, već pokušava da ograniči polje njihovog legitimnog važenja« (Žižek 1979).

▲56 »… gradjanski karakter postojeće psihologije pokazuje se u tome što ideološki univerzalizuje rezultate istraživanja koje je dala analiza odredjenog isečka …« (Žižek 1979).

▲57 S. o. Kasten zur Bezeichnung »Kritische Psychologie« bei Holzkamp.

▲58 Es handelte sich um Auszüge aus Sinnliche Erkenntnis sowie des Vorworts von Holzkamp & Schurig zu Leontjews Probleme der Entwicklung des Psychischen, beides aus dem Jahre 1973.

▲59 Holzkamps Beitrag darin handelte über die »Verborgenen anthropologischen Voraussetzungen der allgemeinen Psychologie« (1973 b). Im Vordergrund der Buchreihe standen bestimmte anthropologische Fragen und Auseinandersetzungen – im Band 5 zur psychologischen Anthropologie –, denen sich auch Holzkamps Beitrag in Form eines einzelnen Artikels unterordnete (s. Holzkamp 1977).

▲60 So erschien z. B. 2009 die spanischsprachige Übersetzung eines Interviews von Rolf Arnold mit Klaus Holzkamp zum Thema »Lernen« bzw. zum »Lehr-Lern-Kurzschluss«; vgl. Arnold & Holzkamp (2009).

▲61 S. u. Werke und Schriften (Auswahl) / Auf Spanisch. Vgl. ebenso die Rezension von Cerana et al. (2015).

▲62 Die Bände I und II erschienen 2016 und 2018, Band III ist (2022) in Arbeit.

▲63 Vgl. https://puc-campinas.academia.edu/RaquelGuzzo

▲64 S. o. Eine Lerntheorie vom Standpunkt des Lernsubjekts.

▲65 Vgl. https://www.teocripsi.com/ojs/index.php/TCP/issue/view/9

▲66 S. u. Werke und Schriften (Auswahl) / Auf Spanisch.

▲67 S. o. Frühe Jahre. Holzkamps konstruktivistische Kritik …

▲68 S. o. Frühe Jahre. Holzkamps konstruktivistische Kritik …

▲69 S. o. Der Einzug der Studentenbewegung 1968 … sowie Beziehung zu Alexei N. Leontjew.

▲70 S. o. Der Einzug der Studentenbewegung 1968 … ▲71 S. o. Der Einzug der Studentenbewegung 1968 …

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