Lebensführung als Problematik der Subjektwissenschaft

Artikel von Ute Osterkamp in Forum Kritische Psychologie 43 (2001).

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Zusammenfassung

Der Artikel gliedert sich in drei Hauptteile: im ersten referiere ich die Differenzierung Holzkamps zwischen subjektorientierter und subjektwissenschaftlicher Forschung. Da die gesellschaftliche Dimension und subjektive Bedeutung individueller Lebensführung als konkreter Form, in der Individuen ihr Leben strukturieren, insbesondere über ihre systematische Behinderung einer solchen Selbstorganisation des eigenen Lebens deutlich wird, diskutiere ich im zweiten Teil die Erkenntnisse ehemaliger Häftlingen faschistischer Vernichtungslager über die demoralisierende Wirkung fremdbestimmter Verhältnisse sowie die systemstabilisierende Funktion der „normalen“ Weigerung, diese zur Kenntnis zu nehmen. Im letzten Teil schildere ich die vielfach vermittelte Schwierigkeit, die Problematik des eigenen Verhaltens zu thematisieren, als zentrales Moment der Stabilisierung bestehender Machtverhältnisse und Behinderung subjektwissenschaftlicher Forschung.

Summary: Conduct of ones life as a problem of subject science

The article consists of three main parts: In the first I refer to Holzkamp’s distinction between subject-oriented and subject-science research. Since the societal dimension of an individual’s constructing their lives becomes particularly visible by the systematic obstruction of any self-determination, I discuss in the second part the insights of former detainees of fascist exterminations-camps into the demoralizing effects of being deprived of all influence on the conditions of one’s life which tend to remain invisible as long as we simultaneously profit from them. In the final part, I discuss the difficulties in articulating the problematic of one’s own behaviour as an essential element of sustaining given power-conditions and a fundamental hindrance to subject science research.

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Versuchspersonen-Dasein. Erfahrungen aus einem empirischen Praktikum: „Die schlechte Versuchsperson denkt?“

Artikel von Gisela Ulmann in Forum Kritische Psychologie 42 (2000).

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Zusammenfassung

Was bedeutet es, Versuchsperson zu sein? Was erfahren denkende Menschen, wenn sie wie Quasi-Organismen reagieren sollen? Wie deuten sie die Bedingungen und mit welchen Gründen handeln sie wie? Diese und weitere Fragen wurden mit „Betroffenen“ während drei aufeinanderfolgender (Winter-) Semester erforscht. Die dargestellten Erfahrungen bringen auch Aufschluss über die Praxis experimenteller psychologischer Forschung, wie sie von Studierenden geschildert wird.

Summary

What does it mean to be an experimental subject? What do thinking human beings experience when they are supposed to react as quasi-organisms? How do they interpret these conditions – and for which reasons do they act in which ways? These and other questions were examined with „involved subjects“ in three succeeding (winter-)semesters. The presented experiences also illuminate the practice of experimental psychological research as it is portrayed by students.

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Rassismus als Wissenschaftsgegenstand – politisch und wissenschaftlich relevant

Artikel von Claudia Stellmach in Forum Kritische Psychologie 42 (2000).

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Zusammenfassung

Der Vortrag war Teil der Veranstaltungsreihe, die der AStA der FU Berlin im Wintersemeser 1998/99 in der bundesweiten Kampagne für Politik- und Meinungsfreiheit anlässlich der Maulkorbklagen gegen verschiedene ASten durchführte. Jeder Erklärungsansatz von AusländerInnenfeindlichkeit und Rassismus führt zu politisch-praktischen Handlungsorientierungen; sie unterscheiden sich freilich je nach Fragestellung und Gegenstandsbestimmung teils grundlegend voneinander. Ansätze, die Rassismus und AusländerInnenfeindlichkeit vorrangig als ideelle Konstrukte ihrer TrägerInnen ansehen, verzichten auf die Analyse ausgrenzender gesellschaftlicher Strukturen. Erklärungen hingegen, die auch diese Strukturen in den Blick nehmen, fordern, sowohl diese wie die Subjekte und deren Beziehung zueinander zu analysieren, und sind auf Veränderung nicht nur von Individuen, sondern auch der gesellschaftlichen Realität aus. Eine wissenschaftlich stimmige und konsequente Bearbeitung des Gegenstandes Rassismus muss insofern dem beschränkten Blick auf vermeintliche unmittelbar „studentische Angelegenheiten“ entgegentreten.

Summary

This paper was part of a lecture series organised by the AStA (General Students Board) at the Free University of Berlin in the winter of 1998/99 in the nationwide campaign for political freedom and freedom of speech prompted by the suits against various AStA representatives for speaking out. It contends that every explanatory approach of xenophobia and racism leads to political-practical orientations of action notwithstanding their possible fundamental differences depending on their respective issue and definition of the subject matter. Approaches which primarily consider racism and xenophobia primarily to be mental constructs of their bearers fail to analyze societal structures of exclusion. By contrast, explanations which do consider these structures contend that we must not only analyze these structures but have to take into account the subjects and their interrelations as well. They are directed at changing not only individuals but also the societal reality. An accurate and consistent scientific analysis of the subject matter of racism must be sustained against the restricted perspective on presumably immediate „student affairs“.

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Lernen statt Begabung: Vorschläge zu einer neuen Herangehensweise an das Problem individuell unterschiedlicher Leistungen

Artikel von Ulrike Behrens in Forum Kritische Psychologie 42 (2000).

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Zusammenfassung

Traditionelle Begabungstheorien werden üblicherweise grob unterteilt in Anlage-, Umwelt- und Interaktionstheorien. Ausgehend von dieser Unterteilung werden grundlegende Charakteristika des Begabungsbegriffs kritisiert. Die vorgestellte Position soll aber nicht einem der drei Bereiche zugeordnet werden, sondern ist als Alternative zu den traditionellen Begabungstheorien gedacht. Hierfür wird die Kategorie des Lernens, wie sie von der Kritischen Psychologie erarbeitet wurde, für den Gegenstand in der Weise fruchtbar gemacht, dass ein Rekurs auf Begabungskonstrukte für die Erklärung der fraglichen (Leistungs-)Phänomene verzichtbar wird. Abschließend wird anhand des Hildesheimer Projekts „Lernen statt Begabung“ vorgestellt, wie dieses theoretische Modell mit Hilfe der Kollektiven Erinnerungsarbeit (Haug) empirisch validiert werden kann.

Summary

Traditional theories of giftedness are usually roughly divided into nature-, nurture-, and interactionist theories. Resting upon this classification basic attributes of the concept of giftedness are criticised. However, the suggested position shall not be assigned to one of those three domains; rather, it is thought as an alternative to traditional theories of giftedness. For this purpose the category of learning, as elaborated by Critical Psychology, is made useful in a way that makes abdicable the recursion on giftedness constructions for the explanation of the relevant (performance) phenomena. Finally the Hildesheim research project „Lernen statt Begabung“ is introduced as an attempt to validate this theoretical model with the help of Collective Memory Work (Haug).

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Biologisch-genetische Erkenntnismöglichkeiten und die Kritische Psychologie – Versuch einer Verhältnisbestimmung

Artikel von Vanessa Lux und Jost Vogelsang in Forum Kritische Psychologie 42 (2000).

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Zusammenfassung

Anhand biologisch-genetischer Theorien zu Begabung und Schizophrenie soll die Relevanz der Beschäftigung mit neuesten Erkenntnissen aus der Genforschung, z.B. des Humangenomprojekts, für die Psychologie verdeutlicht werden. Mit Lewontin, Rose und Kamin thematisieren wir sowohl die Verkennung des Verhältnisses Mensch-Welt durch diese Theorien, als auch ihre Funktionalität für die Legitimation bestehender Herrschaftsverhältnisse. Auf Grundlage der kritisch-psychologischen Fassung dieses Verhältnisses als gesamtgesellschaftliche Vermitteltheit individueller Existenz und Holzkamps Konzept der körperlichen Situiertheit versuchen wir, die Beziehung Mensch-Körper-Gene in einigen u.E. für Subjektwissenschaft relevanten Aspekten zu thematisieren. Problematisch ist, daß scheinbar genetische „Unzulänglichkeiten“ statt gesellschaftlicher Behinderungen/Beschränkungen im Vordergrund der gentechnischen (Er-)Forschung stehen.

Summary

The relevance for psychology of the latest results from genetic research, such as the human genome project, is illustrated with bio-genetic theories of giftedness and schizophrenia. Following Lewontin, Rose, and Kamin, we address both the failure of these theories to recognize the relationship between human beings and the world and their functionality for legitimizing of existing relationships of power. On the basis of the critical-psychological conception of this relationship as a societal mediation of individual existence and of Holzkamp’s concept of embodied situatedness we thematize some aspects of the relationship between human being-body-gene that are relevant for a science of the subject. The trouble with the gene-technological research is that it brings into focus seemingly genetic „insufficiencies“ instead of societal obstacles and restrictions.

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Vorlust – Virtualität – Enteignung

Artikel von Christoph Türcke in Forum Kritische Psychologie 42 (2000).

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Zusammenfassung

Vorlust, eine Lust, die eigentlich noch keine ist, ist eine Form virtueller Realität. Folglich läßt sich die Form virtueller Realität, die die neuen Medien präsentieren, als Vorlust-Zustand dechiffrieren. Wenn Vorlust Ersatz von Lust ist, statt ihr Vorspiel zu sein, findet ein Enteignungsprozeß psychischer Qualitäten statt, in dem sich ökonomische Enteignung mit andern Mitteln fortsetzt. Ort dieser Enteignung ist der alltägliche kulturindustrielle Betrieb.

Summary

Pre-desire, which really is no desire yet, is a form of virtual reality. Therefore, we may decode the form of virtual reality which the new media present as a state of pre-desire. If pre-desire replaces desire instead of being its foreplay, a process of dispossession of psychic qualities takes place in which economical expropriation is continued by other means. The place of this dispossession is the everyday business of cultural industry.

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„Lose your dreams and you will lose your mind“ oder: Was ist kritisch an der Kritischen Psychologie?

Artikel von Morus Markard in Forum Kritische Psychologie 42 (2000).

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Zusammenfassung

Vor dem Hintergrund einer Rekonstruktion des Kritikbegriffs der Kritischen Psychologie und anderer Strömungen kritischer Psychologie wird entgegen der Entpolitisierung von Kritik in der Psychologie im Zeichen reflexiver Subjektivität und der Anerkennung des gesellschaftlichen Status quo in Folge der „Wende“ die Notwendigkeit der Einheit von Psychologie- und Gesellschaftskritik von einem doppelten gesellschaftstheoretischen und psychologischen Standpunkt der Kritik aus begründet. Die mit dem damit geltend gemachten marxschen kategorischen Imperativ verbundenen Dilemmata der Kritik in und an der Psychologie sowie einer Psychologie vom Standpunkt des Subjekts und der Kritik an Standpunkten von Subjekten (restriktive Funktionalität, „Entwicklungsfigur“) in empirischer Forschung werden theoretisch und methodisch erörtert; dabei wird für die Relevanz der bedeutungsanalytischen Dimension subjektiver Prämissenklärung plädiert. Die Umdeutung restriktiver Handlungsfähigkeit zu postmodern-progressiver Wandlungsfähigkeit wird als theoretisch bodenlos zurückgewiesen.

Summary

The concept of critique in Critical Psychology and in other currents of critical psychology is first reconstructed. Against the de-politicisation of critique within psychology in the name of reflexive subjectivity and of the affirmation of the societal status quo after the so-called „turnover“ (German unification), the necessary unity of the critique of psychology and of society is explained from both a social theoretical and a psychological point of view. The Marxist categorical imperative thus advanced, brings with it certain dilemmas, namley the dilemma of a critique in and of psychology, and the dilemma of a psychology from the standpoint of the subject and its critique of the standpoints of subjects involved in empirical studies (restrictive functionality, the „figure of development“). In so doing we stress the relevance of the analysis of meaning in the clarification of subjective premises. The reinterpretation of the restrictive action potence in terms of a postmodern-progressive changeability is repudiated as theoretically ungrounded.

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Denkgifte

Psychologischer Gehalt neoliberaler Wirtschaftstheorie und gesellschaftspolitischer Diskurse

Diplomarbeit im Studiengang Psychologie der Universität Bremen. Die Seitenangaben im Inhaltsverzeichnis beziehen sich auf die Original-Version. Download (PDF, 1,5 MB): tg2000a.pdf


Thomas Gerlach

Inhalt

Einleitung 3

I. Kritische Psychologie 9

1. Menschliche Subjektivität als Aspekt des materiellen Lebenszusammenhangs 9

Entstehungsgeschichte 9 – Psychologiekritik 10 – Historische Rekonstruktion der Genese des Psychischen 11 – Gesamtgesellschaftliche Vermitteltheit individueller Existenz 12

2. Formationsspezifische Subjektivität im Kapitalismus 15

Objektive Lebensbedingungen: Antagonismus und Warenproduktion 16 – Gesellschaftliche Bedeutungen: Fremdbestimmtheit als ewiges Naturverhältnis 18 – Ideologischer Gehalt gesellschaftlicher Bedeutungen und Denkformen 20 – Restriktive Handlungsfähigkeit 22 – Funktionsaspekte: Deutendes Denken, verinnerlichte Emotionalität, innerer Zwang 24

3. Methodische Konsequenzen 26

4. Entfremdungstheoretische Implikationen I: Entfremdung als reale Macht 28

II. Denkgifte – Psychologischer Gehalt neoliberaler Wirtschaftstheorie und gesellschaftspolitischer Diskurse 30

1. Kapitalismus gegen Kapitalismus 30

Sozialstaatlicher Reformkapitalismus 30 – Neoliberale Restauration 34

2. Neoliberalismus als politisches Projekt 36

Das Legitimationsproblem: Bewusstseins- statt Besitzstandsbildung 41

3. Entfremdungstheoretische Implikationen II: Die herrschenden Gedanken als Gedanken der Herrschenden 43

4. Neoliberale Theorie 44

Marktreligion statt politischer Handlungsfähigkeit oder: Sklaverei ist Freiheit 45 – Aufklärung als ‚Missbrauch der Vernunft‘ oder: Unwissenheit ist Stärke 48 – Armut als zivilisatorische Errungenschaft oder: Mitgefühl ist ‚Tribalismus‘ 50 – Verdrängungswettbewerb als Leitmotiv oder: Asozialität ist Ethik 52 Militärische Gewalt als Mittel der Politik oder: Krieg ist Frieden 53

5. Der neoliberale Diskurs 54

Legale Schutzgelderpressung: Standort gegen Standort 55 – Die semantische Enteignung: Denkverwirrung durch organisierte Sprachverwirrung 60 – Die Spardebatte: Schlankwerden und Fitmachen 63 – Die Sozialmissbrauchsdebatte: Die Armen als Schuldige am Elend der Reichen 72 – Die ‚TINA‘-Strategie: Denkverbote gegen ‚Egalisierungsspleens‘ 81 – Der allseits verfügbare Mensch als normatives Ideal 88 – Die Form-Inhalts-Transformation: Mystifizierte Denkformen als massenpsychologische Parolen 93

6. Entfremdungstheoretische Implikationen III: Die fremde Macht als Welt- und Selbstbezug 96

III. Aktualempirie 99

Die Untersuchung 100 – Interviewtranskripte: Imke (Studentin) 102 – Paul (Landwirt) 110 – Jörg (Angestellter im Gesundheitswesen) 125 – Silvia (arbeitslose Musikpädagogin) 133 – Interviewauswertung: Imke 143 – Paul 151 – Jörg 160 – Silvia 165

IV. Formierte Subjektivität im neoliberalen Kapitalismus 168

Entfremdete Handlungsfähigkeit 168 – Neoliberales Einheitsdenken 170 – Emotionale Vergleichgültigung und Resignation 172 – Ausgrenzung als Normalität 174 – Angstkonservatismus 176

Literaturverzeichnis 179

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Forum Kritische Psychologie 42

Kritikbegriff der Kritischen Psychologie
Menschliche Natur / sozialer Darwinismus
Kulturindustrie
Versuchspersonen-Dasein

Inhalt

Editorial

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Morus Markard
„Lose your dreams and you will lose your mind“ oder: Was ist kritisch an der Kritischen Psychologie?

Christoph Türcke
Vorlust – Virtualität – Enteignung

Vamessa Lux, Jost Vogelsang
Biologisch-genetische Erkenntnismöglichkeiten und die Kritische Psychologie – Versuch einer Verhältnisbestimmung

Ulrike Behrens
Lernen statt Begabung: Vorschläge zu einer neuen Herangehensweise an das Problem individuell unterschiedlicher Leistungen

Claudia Stellmach
Rassismus als Wissenschaftsgegenstand – politisch und wissenschaftlich relevant

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Gisela Ulmann
Versuchspersonen-Dasein. Erfahrungen aus einem empirischen Praktikum: „Die schlechte Versuchsperson denkt?“

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Autorinnen und Autoren

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Kritische Psychologie: Methodik vom Standpunkt des Subjekts

Veröffentlicht in: Forum: Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, Volume 1, No. 2, Art. 19 – Juni 2000. Verfügbar über: Morus Markard in FQS 2000

Morus Markard

Zusammenfassung: Kritisch-psychologische Methodik, fundiert im kategorial begründeten Zusammenhang von Psychologie- und Gesellschaftskritik, hat sich in der Realisierung der Einheit von Erkennen und Verändern und in der emanzipatorischen Relevanz der empirischen Resultate zu erweisen. Angesichts der Persistenz und Systematik kapitalistischer Produktion von Ungleichheit ist die situationsenthobene Abstraktheit quantitativ orientierter Psychologie nicht durch die Auflösung gesellschaftlicher Struktur in ein Sammelsurium von pseudokonkreten Situationen zu überwinden. An den methodischen Konzepten der Bedingungs-Bedeutungs-Begründungs-Analyse und der Entwicklungsfigur wird gezeigt, wie der Zusammenhang gesellschaftlicher und individueller Reproduktion und Entwicklung konkret-psychologisch fassbar und verallgemeinerbar gemacht werden soll. Dazu ist erforderlich, Theorien nicht als Bedingungs-Ereignis-Relationen, also im kontrollwissenschaftlichen Bedingtheitsdiskurs, sondern als Prämissen-Gründe-Zusammenhänge, also im subjektwissenschaftlichen Begründungsdiskurs, zu formulieren. Gegenstand einer Psychologie vom Standpunkt des Subjekts sind nicht die Subjekte, die nämlich selber auf der Forschungsseite stehen; Gegenstand ist vielmehr die Welt, wie die Subjekte sie erfahren.

Keywords: Kritische Psychologie, Bedingungs-Bedeutungs-Begründungs-Analyse, Entwicklungsfigur, Prämissen-Gründe-Zusammenhänge, Datenfunktion, Datenmodalität, Relevanz der Psychologie, Handlungsforschung, Begründungsdiskurs

Abstract: Critical-psychological methodology, based upon the conceptually grounded connection between a critique of psychology and of society has to prove successful in realizing the unity of cognition and practical change and through the emancipatory relevance of its empirical findings. Considering the persistent and pervasive capitalist production of inequality, any attempts to overcome the abstract focus of traditional „quantitative“ psychology on „de-contextualized“ individuals by means of a „contextualism“ that waters down complex societal structures to a conglomeration of (immediate) situations are bound to fail. By contrast, the methodical concepts of an „analysis of conditions, meanings, and grounds-for-action“ („Bedingungs-Bedeutungs-Begründungs-Analyse“) and of the „course of development“ or „developmental trajectory“ („Entwicklungsfigur“) demonstrate how it is possible to grasp psychologically and put in general explanatory terms the connections between societal reproduction and individual life activities and developments. To accomplish this, theories are not understood as contingent relationships between conditions and behavioral effects (as the „control-scientific discourse of conditionedness“ would have it), but rather as relationships between objective premises and subjective grounds for action (briefly labeled as „subject-scientific discourse of grounded action“). While treating other individuals as an integral part of the research team, a „psychology from the standpoint of the subject“ is concerned with the world-as-experienced by the subjects.

Keywords: Critical Psychology; analysis of conditions; meanings; and grounds for action („Bedingungs-Bedeutungs-Begründungs-Analyse“); course of development or developmental trajectory („Entwicklungsfigur“); relationships between objective premises and subjective grounds for action; function of data; modality of data; relevance of psychology; action research; subject-scientific discourse of subjective grounds for action

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